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Tagebuchschreiben und Tonbandgespräche
Dem regelmäßigen Tagebuchschreiben und Besprechen eines Tonbandes bei großem inneren Druck ist von amerikanischen Forschern längst ein therapeutischer Effekt Dem regelmäßigen Tagebuchschreiben und Besprechen eines Tonbandes bei großem inneren Druck ist von amerikanischen Forschern längst ein therapeutischer Effekt zugebilligt worden. Der verbale Ausdruck von Gefühlen führt zu einer ersten emotionalen Entlastung, das Reden über traumatische Erfahrungen kann vor psychovegetativen Störungen bewahren. Das Schreiben über ein früheres traumatisches Ereignis an vier aufeinanderfolgenden Tagen führt zu einem Rückgang der Arztbesuche in den nächsten 6 Monaten. Jene Personen, die nicht nur über die Fakten des traumatischen Ereignisses, sondern auch über ihre Gefühle schreiben, profitieren vom Niederschreiben ihrer Erfahrungen am meisten. Diese Erkenntnisse hat der amerikanische Psychologe Pennebaker durch mehrere Studien gewonnen.

Belastende emotionale Zustände in Worte fassen zu können, hat eine therapeutische Wirkung. Psychovegetative und psychosomatische Störungen sind oft ein sprachloser Ausdruck dafür, dass es irgendwo drückt. Mit dem Begriff "Alexithymie" wird der Umstand bezeichnet, dass die betroffenen Patienten ihre Gefühlszustände nicht wahrnehmen, differenzieren und sprachlich ausdrücken können, so dass sich diese in körperlichen Zuständen einen Weg bahnen.

Nehmen Sie sich für Ihre Angstgedanken täglich etwas Zeit (10 Minuten können ausreichend sein) und schreiben Sie in Tagebuchform auf, was Sie gerade beschäftigt. Schreiben Sie in Angstsituationen oder möglichst danach alles auf, was Sie gerade denken und zu sich sagen. Sprechen Sie derartige Gedanken auch nach freiem Einfall auf ein Tonband. Lesen und hören Sie Ihre Aufzeichnungen immer wieder, um sich damit auseinander zu setzen, bis die entsprechenden Dinge für Sie "erledigt" sind.

Beim Schreiben oder Reden zwingen Sie sich dazu, Ihre konfusen Gedanken zu ordnen, Ihre vagen Befürchtungen zu Ende zu denken und damit irgendeinen Lösungsweg anzupeilen. Beim reinen Nachdenken besteht die Gefahr, dass Sie ständig "im Kreis" denken. Die Wirkung von Therapiegesprächen beruht zum Teil auf einem ähnlichen Effekt wie das Tagebuch- oder Briefschreiben und das Besprechen eines Tonbandes. Analysieren Sie später, wenn Sie einen gewissen Abstand dazu haben, Ihre Gedanken und Befürchtungen, die Sie auf Papier bzw. Tonband gebracht haben, um daraus zu lernen, was Sie ändern müssen, wenn es Ihnen besser gehen soll.

Zu Beginn des Schreibens oder Sprechens auf Tonband kann es sein, dass es Ihnen seelisch und körperlich nicht besser, sondern schlechter geht, weil Sie Ihre bislang gemiedenen Gefühle bewusst provozieren, um damit umgehen zu lernen. Dies weist darauf hin, dass nicht Verdrängen, sondern Bewältigen von schmerzvollen Gefühlen zu dauerhaften Zustandsverbesserungen führt.

Führen Sie einen Dialog mit Ihrer Angst:
  • Stellen Sie sich vor, Ihre Angst wäre eine menschliche Person, mit der Sie reden könnten oder der Sie einen Brief schreiben könnten ("Meine liebe Angst!").
  • Stellen Sie sich Ihre Angst als personifizierten Teil in Ihnen vor, der zu Ihnen gehört und mit dem Sie auch in Zukunft leben und zusammenarbeiten müssen. Stellen Sie sich daneben auch einen personifizierten Teil der Stärke und des Selbstvertrauens in Ihnen vor und lassen Sie diese beiden Teile oft miteinander in Dialog treten, mit allem Respekt voreinander, wie auch sonst Gespräche geführt werden sollen.


Autor: Dr.Hans Morschitzky
 
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