|
Zugriffe |
Seitenaufrufe : 2130967
|
|
|
Begründet wurde die Eutonie von Gerda Alexander, die über Jahrzehnte
die Grundgedanken der Eutonie in Theorie und Praxis entwickelte.
Generelle Erklärungen
EUTONIE giechisch: eu = wohl, recht, harmonisch; tonos = Spannung
Begründet wurde die Eutonie von Gerda Alexander, die über Jahrzehnte
die Grundgedanken der Eutonie in Theorie und Praxis entwickelte. In
jungen Jahren erkrankte sie - sie saß im Rollstuhl. Die Ärzte geben ihr
keine Hoffnung auf Besserung oder Heilung. In dieser Situation begann
sie ihren Körper zu erforschen, zu fühlen, zu spüren - zu erleben. Es
gelang ihr, durch ihre selbsterarbeitete eutonische Arbeit vollständig
zu genesen.
Eutonie ist ein westlicher Weg zur Erfahrung der körperlichen Einheit
des Menschen. Eutonie ist kein ein für alle male zu erreichender
Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der immer neu realisiert
werden muss, wenn seine Wirkung von Dauer sein soll - doch führt die
Aktivität, die zu dieser stetigen Erneuerung notwendig ist, zu
beglückenden Erfahrungen und Ausblicken, die auf eine neue menschliche
Daseinsform hinweisen. Es ist kennzeichnend für die Praxis der Eutonie,
dass ein jeder sie anders erfährt, als einen Weg auf dem das Leben sich
kundtut. Denn die angestrebte Einheit entsteht durch das Zusammenspiel
zahlloser innerer und äußerer Kräfte, die in uns auf immer neue Weise
ein dynamisches Gleichgewicht erlangen.
Durch minimale Bewegungen erfährt man seinen Körper - er wird erfühlt
und erspürt. Bewusst werden Blockaden wahrgenommen und aufgelöst. Es
kommt zu einem positiven Erleben des eigenen Körpers. Bei der
eutonischen Arbeit geht es nicht darum "sich zu entspannen - sich der
Unterlage anzuvertrauen", sondern um die Erarbeitung eines eutonen
Spannungszustandes.
Ein Beispiel: Wir gehen mit unserer Aufmerksamkeit in einen bestimmten
Körperteil - wir sind dort und bleiben dort. Durch eine Berührung - als
Hilfsmittel können Finger, Kastanien, Bälle, Holzstäbe, Hirsesäckchen
usw. dienen - oder eine minimale Bewegung werden wir uns dieses Teiles
bewusst und erleben ihn. Wir spüren und erfahren die verschiedenen
Qualitäten: die Haut, den Innenraum, die Knochen.
Die Haut
Die Haut steht für Kommunikationsmittel, Begrenzung, Umhüllung.
Die Haut als Organ, als lebendige Hülle, mit zahlreichen Innervationen
des gesamten Organismus. Die Hautberührung, die uns Informationen über
die Außenwelt vermittelt, teilt uns zugleich auch Wesentliches über uns
selbst mit. Was wir berühren, berührt auch uns. Wenn wir uns der
unterschiedlichen Berührungsqualitäten der Kleidungsstücke an unserem
Körper oder der Gegenstände, mit denen wir uns umgeben, in einer
globalen Wahrnehmung unseres Körpers in seiner Umwelt zu empfinden,
bewusst machen, so bietet das in der ersten Zeit viele Möglichkeiten zu
persönlichen Entdeckungen.
Körper-Innenraum
Der Körper-Innenraum steht für Atem, Zirkulation, Lebendigkeit.
In einer eutonischen Bewegungsstudie muss jedoch die gereifte Form, das
Erleben des Körperinnenraumes mit seinem Kraftzentrum in der
Wirbelsäule und der von emotionellen Spannungen befreite, schwingende
Atem in der Bewegung (nicht in ruhiger Versenkung) zur Darstellung
gelangen. Erst im dynamischen Spiel der Bewegung wird die Transparenz
des eigenen Körperraumes in seiner lebendigen Beziehung zum ihn
umgebenden Außenraum und zum Körperraum des Anderen erfahren - wodurch
ein neues komplexes Bewusstsein entwickelt wird, das Innen und Außen
gleichzeitig umfängt.
Knochen
Knochen stehen für Stabilität, Kraft und Kontinuität.
Das Knochenbewusstsein gibt uns innere Sicherheit und
Widerstandsfähigkeit, die von großer Bedeutung ist. Eine schlaffe
Haltung mit ihren Folgeerscheinungen ist der Ausdruck einer inneren
Haltlosigkeit. Dem Erlebnis dieser inneren Kraft, die den Körper
reflektorisch über die Skelettmuskulatur ohne jegliche willkürliche
Muskelanstrengung aufrichtet, folgt die Entdeckung einer bisher
unbekannten Beweglichkeit des Rückens. Denn durch die reflektorische
Aufrichtung wird die äußere dynamische Muskulatur, die sonst in der
gesamten körperlichen Erziehung als Haltungsmuskulatur verwendet wird,
für die Bewegung frei. Die reflektorische Streckung der
Skelettmuskulatur kann nicht nur von den Füßen, sondern von jeder
beliebigen Stelle des Körpers bewusst ausgelöst werden. Dieser
proprioceptive Reflex wird als "Transportreflex" bezeichnet.
Eigene Erfahrungen
Schon in den ersten Unterrichtstunden nahm ich eine Veränderung meines
Bewusstseinszustandes wahr. Zum ersten Mal spürte ich meinen Körper
bewusst - und er fühlte sich gut an. Ich spürte mich lebendig und war
voll Freude. Ich hatte ja auch allen Grund dazu, mich zu freuen, denn
bis zu diesem Zeitpunkt nahm ich meinen Körper nur äußerlich wahr und
spürte ihn bestenfalls nur wenn ich Schmerzen hatte. Gleichzeitig wurde
mir auch bewusst, dass ich nicht von außen abhängig war - ich musste
mir nicht jemanden suchen und ihn um Hilfe bitten - ich war es selbst,
der sich helfen konnte. Ich konnte mich selbst vertrauensvoll annehmen
und mich selbst hingeben. Ich erkannte, dass ich aktiv eingreifen
konnte - die Situation mit gestalten konnte. Diese Erkenntnis hat mich
tief berührt und ich erkannte damals auch eine Notwendigkeit in der
eutonischen Arbeit - durch die Arbeit am eigenen Körper schafft man
sich eine solide Basis, die es einem ermöglicht den Weg mit wesentlich
mehr Lebensqualität zu gehen.
Was lernt man erfahren?
Als Schüler lernt man in der eutonischen Arbeit:
1. dass die Integrierung bisher dem Bewusstsein entzogener, also
unbewusster Körperzonen, ins Körperbild verdrängte emotionelle Erlebnisse zu
Bewusstsein kommen lässt.
2. dass durch bewusste Ordnung körperlicher Funktionen - von Tonus,
Atmung, Haltung und Bewegung - das gestörte psychische Gleichgewicht
wiederhergestellt werden kann.
3. dass alle Arbeit, sei es "positiv", d.h. vom richtigen Körperteil
ausgehend, sei es "negativ", d.h. von irrealen Vorstellungen ausgehend,
sich immer entsprechend auf das Ganze der Persönlichkeit auswirkt, ob
man sich dessen bewusst wird oder nicht.
4. dass es
eine eindeutige Trennung in "rein geistig" und "nur körperlich" nicht
geben kann. Darum gilt es, das den Körper bis in seine innersten Teile
durchwirkende Geistige - welches das persönliche und kollektive
Unbewusste und zudem alle Stufen vergangener und künftiger
Schöpfungsevolutionen mit einschließt - sich bewusst machen.
Die Arbeit an
unserem Körper bringt uns Wohlgefühl und eine persönliche Sicherheit.
Wir öffnen uns, können somit besser mit der Umwelt kommunizieren. Es
kommt zu einer höheren Sensibilität für innere und äußere Einflüsse.
Wir haben durch eine erhöhte Präsenz ein vollständiges Körperbild -
somit eine gesamtkörperliche Wahrnehmungsfähigkeit und einen erhöhten
Realitätsbezug. Wir erleben Freude in der Entwicklung der momentanen
körperlich-geistigen Möglichkeiten - ein freies Erforschen der eigenen
Möglichkeiten und Grenzen.
Das innere Leben, die Präsenz und die Schönheit, die auch die
einfachste eutonische Bewegung ausstrahlt, sind unverwechselbar. Sie
sind Ausdruck der zu Bewusstsein gekommenen körperlich-geistigen
Einheit des Menschen.
Autor: Evelyn Hutter
|
|
|
|