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Der Mensch kann ohne Essen etwa 40 Tage, ohne Trinken nahezu 5 Tage,
ohne Sauerstoff nur einige Minuten überleben. Bei fehlender
Sauerstoffzufuhr zum Gehirn treten
Der Mensch kann ohne Essen etwa 40 Tage, ohne Trinken nahezu 5 Tage,
ohne Sauerstoff nur einige Minuten überleben. Bei fehlender
Sauerstoffzufuhr zum Gehirn treten bereits nach einigen Sekunden
Schwindel und zunehmende Bewusstseinstrübung, nach 4 Minuten bleibende
Gehirnschäden auf.
Ängste sind stets mit
Atmungsveränderungen verbunden, so dass dem Verständnis der richtigen
Atmung eine ganz besondere Bedeutung zukommt.
Bei der Einatmung gelangt die Luft über die Nase oder den Mund durch
die Luftröhre zur Lunge. Im Brustkorb teilt sich die Luftröhre, um
beide Lungenflügel versorgen zu können. Die beiden Luftröhrenäste
werden Bronchien genannt. Diese verzweigen sich in der Lunge in immer
feinere Verästelungen (Bronchiolen). Durch diese gelangt die Luft
schließlich in die Lungenbläschen (Alveolen), die extrem dünn und von
feinsten Blutgefäßen durchzogen sind. Hier erfolgt der Gasaustausch:
Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft und Abgabe von Kohlendioxid aus
dem Blut.
Im Rahmen des so genannten Lungenkreislaufs wird das verbrauchte Blut,
das die rechte Herzkammer aus den großen Körpervenen aufnimmt, über die
Lungenarterie in die Lunge befördert, bis hin zu den Lungenbläschen.
Dort gibt das Blut das Abfallprodukt Kohlendioxid (CO2) zum Ausatmen ab
und nimmt aus der eingeatmeten Luft den Sauerstoff (O2) auf. Das mit
Sauerstoff angereicherte Blut gelangt dann in die linke Herzkammer und
wird dort über die Körperhauptschlagader (Aorta) je nach Bedarf im
Körper verteilt. Das Atmungszentrum im Hirnstamm koordiniert die
gesamte Atmung.
Der Sauerstoff muss mit dem Blut in der Lunge in Kontakt kommen, um
aufgenommen und verwertet werden zu können. Aufgrund des aufrechten
Ganges des Menschen und der Schwerkraft ist das Blut in der Lunge sehr
unterschiedlich verteilt. An der Lungenspitze, in der Nähe des
Schlüsselbeins, beträgt die Durchblutung weniger als ein Zehntel Liter
pro Minute, im untersten Drittel der Lunge dagegen einen Liter pro
Minute. Für eine maximale Aufnahme von Sauerstoff ist das Hineinatmen
in den unteren Bereich der Lunge erforderlich. Bei flacher Atmung
werden nur 0,2 statt 0,5 Liter Sauerstoff aufgenommen, wodurch die
unteren Lungenbläschen unterversorgt bleiben.
Sauerstoff ist die Verbrennungsenergie des Körpers, durch die alle
Stoffwechselprozesse ermöglicht werden. Sauerstoff sorgt in den
Körperzellen für die Verbrennung der Nährstoffe, wodurch diese zur
Energiegewinnung nutzbar gemacht werden. Während der Sauerstoff
verbrannt wird, entstehen Kohlendioxid (Kohlensäure) und Wasser als
Stoffwechselabfälle. Zuviel Kohlendioxid und zuwenig Sauerstoff im Blut
führen zum Einatmen. Bei Sauerstoffüberangebot und Kohlendioxidmangel
(z.B. nach einer Hyperventilation) kommt es zur Atemruhe oder zum
Atemstillstand. Hyperventilation bewirkt somit Atemnot, führt jedoch
nicht zur Bewusstlosigkeit.
Atem- und Herzrhythmus sind eng aneinander gekoppelt. Das Verhältnis
von Atmung und Herzschlag beträgt in Ruhe sowie im Schlaf 1:4. Bei
15-20 Atemzügen pro Minute erfolgen 60-80 Herzschläge. Die Ruheatmung
sollte nicht mehr als 15 Atemzüge pro Minute umfassen (bei Männern
12-14, bei Frauen 14-15 Atemzüge). Unter Belastung erfolgen bis zu 30
Atemzüge, bei gezielter Entspannung 6-10 Atemzüge pro Minute. Schneller
atmen beschleunigt den Herzschlag, weil der vermehrt eingeatmete
Sauerstoff zu den Organen weiterbefördert werden muss. Langsamer atmen
verlangsamt den Herzschlag. Viele Panikpatienten haben bereits in Ruhe
einen zu hohen Puls.
Einatmen bedeutet Anspannung, Ausatmen bewirkt Entspannung. Je flacher
die Atmung, desto schneller ist sie und desto höher ist in der Regel
auch die Herzfrequenz.
Die Einatmungsluft enthält 20% Sauerstoff, 78% Stickstoff, 0,03%
Kohlendioxid und andere Stoffe wie z.B. Reizstoffe, Umweltgifte, Staub.
Die Ausatmungsluft enthält 14% Sauerstoff, 69% Stickstoff, 5%
Kohlendioxid sowie etwas Wasserdampf und Spuren anderer Gase.
Das maximale Sauerstoffaufnahmevermögen hängt von der Größe des
Herzminutenvolumens (Schlagfrequenz mal Schlagvolumen/Minute) ab.
Ausdauerbelastung verbessert das Herzschlagvolumen. Das Sportlerherz
schlägt in Ruhe oft nur 40 mal pro Minute und kann bei Belastung mit
weniger Schlägen mehr Blut befördern als das von Untrainierten. Ein
trainierter Körper hat infolgedessen eine bessere Aufnahme und
Verwertung von Sauerstoff als ein untrainierter Körper.
Sportler atmen Luft mit 20% Sauerstoff ein und Luft mit 12% Sauerstoff
aus. Nichtsportler atmen ebenfalls 20% Sauerstoff ein, jedoch 17%
wieder aus: sie nutzen mit jedem Atemzug nur 3% des vorhandenen
Sauerstoffs. Untrainierte müssen daher fast dreimal soviel atmen wie
Trainierte, um dieselbe Energie zu erhalten.
Ausdauersport (Laufen, Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf) ist das beste
Atemtraining, weil dadurch eine maximale Sauerstoffaufnahme und
-verwertung erfolgt.
Unzureichendes Ausatmen vor dem Einatmen, wie dies oft bei Angst,
Aufregung und Stress der Fall ist, führt dazu, dass sich Kohlendioxid
und Schlacken als Abfallprodukt des Atmens in der Lunge stauen und ins
Blut abgedrängt werden, was eine vorübergehende Vergiftung bewirkt, die
sich in Unruhe, Müdigkeit, Erschöpfung u.a. äußert. Vollständiges
Ausatmen ermöglicht erst intensives Einatmen.
Ständige Sauerstoffunterversorgung des Körpers führt langfristig zu
Verspannungen, Kopfweh, Kreislaufproblemen, rascher Ermüdung und
Konzentrationsschwäche.
Asthma und Bronchitis werden durch psychogen bedingte Verkrampfungen
der Atmungsorgane verstärkt. Asthma ist eine Störung der Ausatmung als
Folge von Verkrampfung oder schleimbedingter Verstopfung der
Bronchiolen.
Bei Arbeitsbedingungen ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr kann der
Körper Energie durch Glykolyse (Zuckerspaltung) gewinnen. Zu Beginn
jeder intensiven Arbeit schaltet der Organismus von der Oxydation
(Energiegewinnung unter Sauerstoff) auf Glykolyse um. Dabei wird
Glukose in Laktat (Milchsäure) umgewandelt.
Man unterscheidet drei Formen der Atmung: Brust-, Zwerchfell- und Vollatmung.
Brustatmung
Die Zwischenrippenmuskeln (Interkostalmuskeln) sorgen dafür, dass das
Volumen des Brustkorbs beim Einatmen zunimmt und beim Ausatmen abnimmt,
was jedoch nur bei körperlicher Belastung verstärkt erforderlich ist
(in Ruhe reicht die Zwerchfellatmung). Jede dieser Bewegungen überträgt
sich auf die Lunge, die sich dann entsprechend ausdehnt oder
verkleinert. Bei der reinen Brustatmung wird nur das obere und mittlere
Drittel der Lunge durchlüftet.
Zur Brustatmung gehört auch die Schulter-(Schlüsselbein-),
Flanken-(Untere Rippen-) und Rückenatmung. Bei der Schulteratmung
bewegen sich in der Einatmungsphase die Schultern in Richtung der Ohren.
Weil bei der Schulteratmung Muskeln des Schlüsselbeins benutzt werden,
die normalerweise zum Atmen nicht gebraucht werden, spricht man auch
von Schlüsselbein- oder Hochatmung. Die Schulter-(Schlüsselbein-)Atmung
ist die schlechteste und ineffizienteste Atmungsform, weil mit sehr
viel Energie relativ wenig Luft bewegt wird. Durch das Hochziehen der
Schultern wird der Brustkorb nicht erweitert, sodass sich die Lunge
nicht genügend ausdehnen kann. Es kommt zu einem unangenehmen Luftstau
im oberen Brustkorb, der eine Einatmung im unteren Lungenbereich
verhindert. Die muskuläre Verspannung im Schulter- und Brustbereich
verhindert ein entspanntes Ausatmen.
Die Schulteratmung tritt auf bei Angstzuständen, wenn der Atem zu
stocken beginnt. Bei einer Schreckreaktion zieht man die Schultern
hoch, hält den Atem an und atmet ineffektiv aus dem oberen Brustkorb
heraus weiter, in der irrigen Meinung, über den Mund maximal viel Luft
aufzunehmen. Tatsächlich wird jedoch nur ein kleiner Teil der
Lungenkapazität genutzt, was verstärkte Atemnot bewirkt und
Hyperventilieren begünstigt. Es werden Muskelgruppen aktiviert, die für
den normalen Atemvorgang nicht benötigt werden, um den Preis, dass
"mehr Arbeit für weniger Luft" erfolgt. Gleichzeitig wirkt die
hochsitzende Luftfülle bedrängend (Druckgefühl auf der Brust).
Etwa zwei Drittel der Menschen atmen falsch. Sie ziehen beim Einatmen
den Bauch ein und heben die Schultern, beim Ausatmen drücken sie den
Bauch heraus. Sie atmen zu flach in den oberen Brustraum hinein und
haben eine zu hohe Atemfrequenz Mehr als 15 Atemzüge pro Minute werden
von vielen Atemtherapeuten bereits als Stresssignal angesehen. Wenn man
bei der Aufforderung, mit dem Mund tief einzuatmen, um eine maximale
Menge Luft aufzunehmen, die Schultern in Richtung der Ohren hebt, hat
man eine völlig ineffiziente Schulter- oder Schlüsselbeinatmung. Bei
überwiegender Brustatmung, wie sie für viele Menschen typisch ist, hebt
und senkt sich nur der Brustkorb, entsprechend dem früheren
militärischen Motto "Brust heraus, Bauch hinein!".
Eine falsche Atmung hängt heutzutage öfters auch mit dem herrschenden
Schlankheitsideal zusammen. Verschiedene Menschen möchten nicht durch
eine stärkere Bauchatmung in unangenehmer Weise an ihren Bauch erinnert
werden.
Zwerchfellatmung
Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel, weil er bei richtiger
Atmung 80% des Atemvolumens bewirkt. Es handelt sich dabei um eine
gewölbte Muskelplatte, die aussieht wie ein aufgespannter Regenschirm
und die den Brustraum vom Bauchraum abgrenzt. Eigentlich sind zwei
Zwerchfellkuppeln vorhanden, je eine im rechten und linken Oberbauch.
Der Zwerchfellmuskel und die Zwischenrippenmuskeln sorgen gemeinsam für
die Ausdehnungsfähigkeit der Lunge und ausreichende Atemluft.
Die Zwerchfellatmung ist die "normale" Atmung in Ruhe. Sie beruht auf
einer Anspannung (Abflachung) des Zwerchfells beim Einatmen, wodurch
die Lunge sich ausdehnen kann und das untere Drittel der Lunge
durchlüftet werden kann, und einer Entspannung (Krümmung) beim
Ausatmen, wodurch die Lunge zusammengepresst wird.
Die beiden Lungenflügeln hängen frei im Brustkorb und werden bei der
Einatmung auseinandergezogen. Durch das Auseinanderziehen der Lunge
beim Tiefertreten des Zwerchfells entsteht scheinbar ein Hohlraum (ein
Unterdruck in Wirklichkeit), in den die Luft passiv hineingesogen wird.
Die Lunge kann sich durch die Zwerchfellatmung nach unten weiter
ausdehnen und mehr Luft aufnehmen. Im untersten Drittel ist aufgrund
der Schwerkraft auch das meiste Blut zur Sauerstoffaufnahme.
Das Ausatmen ist ein rein passiver Vorgang für Zwerchfell, Lunge und
Luft. Die vorher angespannte Zwerchfellmuskulatur entspannt sich und
wölbt sich deshalb wieder in den Brustkorb vor. Die vorher gedehnte
Lunge kann nun wie ein Gummiband auf ihre ursprüngliche Größe
zusammenschrumpfen. Dabei entweicht die Luft automatisch und passiv aus
der Lunge über die Nase oder durch den Mund.
Beim Einatmen flacht sich die bis dahin hochgewölbte Zwerchfellkuppel
durch aktives Zusammenziehen der Muskulatur ab (das Zwerchfell steht
dann um 1-3 cm tiefer). Dadurch wird der Brustraum größer, zunächst auf
Kosten des Bauchraums. Die Eingeweide im Bauchraum können aber nicht
beliebig zusammengedrückt werden. Folglich drängen sie nach vorne und
wölben den Bauch vor (Heben und Senken der Bauchdecke bei guter
Zwerchfellatmung). Man spricht deshalb auch von der Bauchatmung.
Bei der Zwerchfellatmung werden auch die seitlichen Rippenmuskeln
bewegt. Die unteren Rippen werden auseinandergezogen, so dass sich der
Brustraum erweitert. Diese Form der Atmung nennt man Flankenatmung. Es
weitet sich auch der untere Rücken.
Die Zwerchfellatmung erleichtert auch andere Körpervorgänge:
- Erleichterung
der Verdauung. Das Auf und Ab des Zwerchfells ist für die Eingeweide
eine verdauungsfördernde Massage (besonders hilfreich bei Verstopfung).
- Erleichterung
der Herztätigkeit und des Blutkreislaufs. Das Herz ruht mit einem
breiten Streifen seiner rechten Herzkammer und mit einem Teil seiner
linken Kammer auf dem Zwerchfell. Die rechte Herzhälfte, insbesondere
der ihr vorgeschaltete venöse Abschnitt des großen Kreislaufs, macht
alle Zwerchfellbewegungen mit. Durch die Zwerchfallabflachung beim
Einatmen bewegt sich auch das Herz weiter nach unten und wird dadurch
größer und länger, so dass es mehr Blut aus den Venen aufnehmen kann,
durch die Wölbung beim Ausatmen wird das Herz wieder in den Brustkorb
hochgedrückt.
- Schonung
der Stimme. Die Stimmritze wird durch die Zwerchfellanspannung beim
Einatmen geöffnet, was eine gute Stimme ermöglicht, während sie bei der
Brustatmung geschlossen bleibt. Bei reinen Brustatmern kommt es daher
leicht zur Beeinträchtigung der Stimme.
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Vollatmung
Die Vollatmung (Brust- und Zwerchfellatmung) ist die effizienteste
Atmung. Zuerst hebt sich die Bauchdecke (Zwerchfellatmung), dann
erweitern sich auf der Höhe der Einatmung infolge der Aufwärtsbewegung
der Luft die unteren Rippen (Flankenatmung) und der Rücken
(Rückenatmung), schließlich heben sich die Schultern
(Schlüsselbeinatmung), so dass der ganze Atemraum vom Zwerchfell bis
zum obersten Lungenbereich, den Lungenspitzen, benutzt wird.
Anschließend wird sofort ausgeatmet. Ein ergiebiger tiefer Atemzug
steigt somit immer von unten, aus dem Bauch heraus, nach oben bis in
die Lungenspitzen. Die Atmung gleicht einer Wellenbewegung.
Atmung und Psyche
Atmung und körperliche bzw. psychische Befindlichkeit hängen eng
zusammen. Es ist unmöglich, einerseits ruhig und entspannt zu atmen und
andererseits aufgeregt zu sein. Über die Art der Atmung wird der Körper
entspannter oder angespannter.
Bei Angst, Aufregung und Stress bewirkt das sympathische Nervensystem
eine Erweiterung der Luftröhre und der Bronchien
(Luftröhrenverzweigungen in der Lunge), was eine tiefere Atmung
ermöglicht, um mehr Sauerstoff für die bevorstehende Muskeltätigkeit
zur Verfügung zu haben. Atemhäufigkeit und Atemmenge steigen an. Durch
eine vertiefte Atmung kann bedeutend mehr Sauerstoff aufgenommen werden
als durch eine beschleunigte. Der bei Angst vermehrt aufgenommene
Sauerstoff bleibt mangels Bewegung in den Bronchien und wird nicht zu
den Lungenbläschen in den Randbezirken der Lunge transportiert, was das
Gefühl der Atembeklemmung bewirkt.
Bei Ruhe und Entspannung bewirkt das parasympathische Nervensystem eine Verengung der Luftröhre.
Schock- bzw. Schreckreaktionen führen durch die parasympathische
Überaktivität zu einer Verkrampfung der Bronchiolen (kleine
Verästelungen der Bronchien) bei der Ausatmung sowie zu einer
reduzierten Atemhäufigkeit und -menge, was als Atemnot erlebt wird.
Subjektiv äußern sich Schock- und Schreckreaktionen als Atemanhalten,
Zuschnüren der Kehle, "Knödelgefühl" im Hals, (durch Sauerstoffmangel
bedingte) allgemeine Schwäche, Schwindel, Benommenheit,
Erstickungsangst.
Bei Schreck hält man die Luft an. Bleibt der Schreck bestehen, so dass
man nicht erleichtert ausatmen kann, bleibt diese Luft im Körper, und
man atmet anschließend mit angespanntem Brustkorb wieder ein, wie dies
auch bei Asthmatikern der Fall ist. Dies führt zu einem Spannungsgefühl
um die Brust, meist linksseitig, was oft herzbezogene Ängste auslöst.
Atemanhalten wird häufig auch zur Unterdrückung von unangenehmen
Gefühlen und zur Linderung von Schmerzzuständen eingesetzt. Tiefes
Durchatmen führt dagegen oft zu Weinen. Weinen bei Angst und Stress
kann durchaus gut und entspannend sein und sollte nicht unterdrückt
werden. Weinen soll deswegen aber nicht gefördert werden, weil
Untersuchungen zeigen, dass es einem danach nicht unbedingt besser geht.
Grundsätzlich dient ein "Tief-Luft-Holen" in Schrecksituationen dazu,
innezuhalten, sich voll zu konzentrieren und dann gezielt zu reagieren
(was bei "Schrecktypen" unterbleibt).
Kleine Spannungsveränderungen der Atemmuskeln verändern das
Gesamtvolumen der Lunge beträchtlich. Schon leichte Muskelverspannungen
können Störungen der Atmung bewirken, wie dies bei Angst, Aufregung,
Stress und verschiedenen körperlichen Krankheiten der Fall ist. Die
Verspannung des Brustkorbs (zusammen mit der häufigen
Schulter-Nacken-Verspannung und der Anhebung der Schlüsselbeine und des
Brustbeins) behindert die Atmung und kann zu Hyperventilation mit
Panikattacken führen. Verstärkte Brustatmung bei Verspannung bzw.
Verkrampfung der Zwischenrippenmuskulatur führt zu einem Enge- und
Druckgefühl im Brustkorb. Durch die Füllung der oberen Lungenhälfte bei
gleichzeitiger Anspannung des Brustkorbs entsteht der Eindruck, dass
kein Platz mehr zum Atmen da sei. Als Folge davon wird noch intensiver
mit dem Mund eingeatmet, wodurch das Engegefühl im Brustkorb verstärkt
wird. Es kommt zu einer "aufgesetzten Hyperventilation".
Hyperventilation
Bei Angst, Aufregung, Wut und Stress ist die Atmung oft entweder rasch
und flach mit eingestreuten Seufzerzügen oder sie wechselt von
unruhiger Mittellage zur Hyperventilation (schnell und tief).
Plötzliches Erschrecken kann zu einem vorübergehenden Atemstillstand
führen, gefolgt von einer intensivierten Atmung.
Das Hyperventilationssyndrom wird heute als eine Unterform der
Panikstörung angesehen, ähnlich wie die Herzphobie. Beiden gemeinsam
ist der appellative Charakter der Symptomatik. Das
Hyperventilationssyndrom tritt vor allem bei jüngeren Menschen auf,
bevorzugt im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt.
Die Symptomatik kommt bei Frauen dreimal so häufig vor wie bei Männern.
60% der Angstpatienten hyperventilieren bei Angst. Menschen mit
chronischem Hyperventilationssyndrom weisen in weniger als 1% der Fälle
eine Zwerchfellatmung auf.
Die Art der Atmung (fast ausschließlich Brustatmung, geringe oder
fehlende Bauchatmung) kann bei ansonsten unklaren Symptomen den
Verdacht auf ein Hyperventilationssyndrom untermauern. Zur Überprüfung
dient ein Hyperventilationstest für drei Minuten, wobei die Betroffenen
erkennen lernen, wie ihre Symptome entstehen.
Hyperventilation ist in über 95% der Fälle psychisch bedingt. Wenn
keine Auslösung durch psychische Erregung (Angst, Ärger, Wut) erkennbar
ist, sollten mögliche organische Ursachen ausgeschlossen werden, z.B.
Kaliummangel oder -überschuss, Magnesiummangel, Kalziummangel,
metabolische Azidose oder Alkalose.
Menschen mit Ängsten, chronischer Stressbelastung und Verspannung atmen
flach und unergiebig aus dem oberen Brustkorb heraus und nutzen damit
nur ein Drittel bis zur Hälfte der Lungenkapazität. Bei mehr
Sauerstoffbedarf atmen sie noch stärker mit dem Brustkorb statt
intensiver mit dem Zwerchfell. Durch die schnelle Atmung kommt es zum
belastenden Herzrasen. Den Betroffenen fällt die Hyperventilation oft
gar nicht auf, so dass sie diese auch nicht als die Ursache ihres
Herzrasens erkennen können.
Die generelle Einatmung durch den Mund, wie sie insbesondere bei
Menschen mit Allergien, Asthma oder Atemwegserkrankungen vorkommt,
begünstigt bei Angst, Aufregung oder Stress ohne gleichzeitige Bewegung
eine Hyperventilation. Oft wird die Hyperventilation nicht durch Angst,
sondern durch Wut oder Aggression ausgelöst.
Hyperventilation wird einerseits häufig durch chronische
Muskelverspannungen im Brustkorb begünstigt, führt andererseits aber
auch zu Brustschmerzen, wenn bei fast vollständig gefüllter Lunge
hyperventiliert wird (sog. aufgesetzte Hyperventilation).
Hyperventilation führt zur Überdehnung der Muskeln zwischen den Rippen,
was Schmerzen bzw. Ziehen in der Brust hervorruft. Weiteres, noch
tieferes Einatmen führt zu verstärktem Schmerz bzw. Ziehen.
Die Betroffenen sollten die körperlichen Vorgänge bei einer
Hyperventilation genau verstehen, um die so häufige Beunruhigung durch
die dabei auftretenden Symptome zu vermindern. Deshalb wird im
folgenden eine ausführliche Erklärung geboten.
Unter dem Hyperventilationssyndrom versteht man eine über das
physiologische Bedürfnis hinausgehende Beschleunigung und Vertiefung
der Atmung, wodurch im Blut der Sauerstoffanteil ansteigt und der
Kohlendioxidgehalt stark abfällt. Das Atemminutenvolumen liegt
durchschnittlich 95%, im Anfall sogar bis zu 500% über dem Soll.
Hyperventilation bedeutet, dass man schneller und/oder tiefer atmet,
als es für die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und den Abbau von
Kohlendioxid nötig ist. Es wird zuviel Sauerstoff eingeatmet und zuviel
Kohlendioxid ausgeatmet. Ohne körperliche Bewegung sinkt der
Kohlendioxidanteil im Blut besonders stark ab, weil nicht genügend
Kohlendioxid in den Muskeln gebildet wird.
Hyperventilation bewirkt eine Fehlregulation des Gasstoffwechsels im
Bereich der Lungenbläschen und infolgedessen eine Verminderung des
Kohlendioxidpartialdrucks, wodurch es zu einer Verschiebung des
Säure-Basen-Gleichgewichts kommt. Kohlendioxid ist zwar ein
Abfallprodukt, muss jedoch in einem bestimmten Verhältnis zum
Sauerstoff im Körper vorhanden sein. Durch den Kohlendioxidmangel
steigt der pH-Wert (Säure-Basen-Verhältnis im Blut): das Blut wird
basisch. Das massive Absinken des Säuregehalts im Blut wird
"respiratorische Alkalose" genannt. Bei starker Hyperventilation kann
der Kohlendioxidanteil im Blut in weniger als 30 Sekunden um 50%
abnehmen. Innerhalb einer Minute treten Symptome auf.
Hyperventilation bewirkt über die Kohlendioxidreduktion eine
Erniedrigung der Kalziumionen-Konzentration im Blut, d.h. der Anteil
von ionisiertem Kalzium im Blut sinkt ab, wodurch die Nervenzellen
erregbarer werden und leichter eine Alarmreaktion
(Bereitstellungsreaktion) ausgelöst werden kann. Wenn das Kohlendioxid,
das von Eiweißkörperchen im Blut transportiert wird, durch die
Hyperventilation (insbesondere bei fehlender körperlicher Bewegung) im
Blut stark abnimmt, lagert sich normalerweise neben anderen Stoffen das
Erdalkalimetall Kalzium enger an das Eiweiß.
Kalzium ist ein wichtiger Bestandteil des Blutes und wird neben der
Stärkung der Knochen u.a. auch zur Funktionsfähigkeit der Nervenzellen
und der Muskel benötigt. Kalzium ist im Blut teilweise an Eiweiß
gebunden, teilweise schwimmt es als freier Bestandteil ohne Verbindung
zu anderen Blutbestandteilen im Blut herum. Das freie Kalzium im Blut
wird um so weniger, je mehr Stellen am Bluteiweiß wegen des stark
abgeatmeten Kohlendioxids frei werden.
Das freie Kalzium im Blut ist u.a. dafür verantwortlich, dass die
Muskeln geschmeidig arbeiten können. Wenn weniger freies Kalzium im
Blut ist, werden die Nerven erregbarer, und die Muskeln beginnen sich
zu verkrampfen. Gewöhnlich merkt man dies zuerst an einem Kribbeln in
den Lippen bzw. im Bereich des Mundes, bald darauf ziehen sich die
Lippen zusammen ("Kussmundstellung"). Dann kribbelt es in Händen und
Füßen, und die Finger ziehen sich zusammen, so dass die Hände wie
Pfoten aussehen ("Pfötchenstellung") und im Extremfall gar nicht mehr
bewegt werden können. Neben Kribbeln, Pelzigkeit und Taubheitsgefühlen
können in Brust und Hals auch Druck- oder Engegefühle entstehen.
Durch die engere Bindung der Kalziumionen an das Eiweiß im Blut
verengen sich auch die Blutgefäße im Gehirn, was die Sauerstoffzufuhr
zum Gehirn beeinträchtigt und zu Schwindel, Konzentrationsstörungen und
Schwarzwerden vor den Augen führt und die bestehende Angst und Unruhe
verstärkt. Gleichzeitig wird das sympathische Nervensystem aktiviert,
so dass eine Notfallsreaktion immer wahrscheinlicher wird, die dann als
Panikattacke erlebt wird.
Hyperventilation führt über den Kalziumabfall zur Verkrampfung der
Bronchien und der Stimmritzen. Wegen der zunehmenden Angst, keine Luft
zu bekommen, und wegen des Drucks im Brustkorb atmen die Betroffenen
noch tiefer und heftiger. Da weiterhin keine Bewegung erfolgt, wird der
Kohlendioxidmangel im Blut noch größer.
Nicht einmal im Extremfall führt hyperventilationsbedingte
Sauerstoffnot zur Ohnmacht, wie eine niederländische Studie an
Versuchspersonen ergab, die mindestens 90 Minuten lang so schnell und
tief atmeten, als sie konnten. Es ist jedoch eine
Hyperventilationstetanie möglich, d.h. ein krampfartiger Anfall, der
für Unerfahrene wie ein epileptischer Anfall ausschaut, so dass
Beobachter unnötigerweise den Notarzt rufen.
Der Arzt verabreicht oft eine Kalziumspritze zur Krampflösung. Die
künstliche Zufuhr von Kalzium löst rasch den Muskelkrampf (Tetanie).
Eigentlich handelt es sich dabei um einen typischen Placeboeffekt, weil
bei einer Hyperventilation nur ein relativer und kein absoluter
Kalziummangel gegeben ist. Die Kalziuminjektion bewirkt ein subjektives
Wärmegefühl in Händen und Füßen, was dem Gefühl des Absterbens der
Extremitäten entgegenwirkt.
Bei starken Tetanien wird oft auch eine Beruhigungsspritze (Valium®,
Rivotril®) verabreicht, was meist unnötig ist, weil deren Wirkung weit
über den Hyperventilationszeitraum hinaus anhält, so dass man sich noch
Stunden später benommen fühlt.
Richtige, langsame Atmung, gleichzeitige Bewegung während der Atmung
bzw. eine Papiertüte, ein Taschentuch oder die hohle Handinnenfläche
vor dem Mund, um das ausgeatmete Kohlendioxid wieder einzuatmen, sind
gut geeignet, den Kohlendioxidgehalt im Blut rasch zu steigern und die
Muskeln geschmeidiger zu machen.
Eine Hyperventilation bewirkt folgende Symptome: anhaltendes Gefühl,
nicht richtig durchatmen zu können, verbunden mit dem Zwang, ein paar
Mal tief durchatmen zu müssen, Atemnot und Druck auf der Brust,
Herzklopfen und Herzrasen, Herzschmerzen, Brustschmerzen (durch
Überspannung der Muskeln zwischen den Rippen), Engegefühl über der
Brust (Gürtel- und Reifengefühl), Gefühllosigkeit, Kribbeln
("Ameisenlaufen") und Zittern an Händen (besonders in den
Fingerspitzen), Füßen und Beinen, Kribbeln um die Mundregion, taube
Lippen, Globusgefühl (Zusammenschnüren der Kehle), Verkrampfung der
Hände ("Pfötchenstellung"), kalte Hände und Füße, Zittern,
Muskelschmerzen, Druck im Kopf und Oberbauch, Bauchbeschwerden (durch
das Luftschlucken), Übelkeit, Schwindel, Benommenheit,
Unwirklichkeitsgefühle, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Gefühl, wie
auf Wolken zu gehen, Angst, ohnmächtig zu werden, und Todesangst (wegen
der Erstickungsgefühle).
Im Extremfall einer Hyperventilationstetanie führt der Sauerstoffmangel
zu Ohnmacht und Krampfzuständen. In der Ohnmacht normalisiert sich die
Blutzusammensetzung schnell wieder, weil man richtig atmet, so dass man
rasch und problemlos von alleine zu sich kommt. Hyperventilation führt
auch zu Veränderungen der Wahrnehmung. Sehen und Hören sind
beeinträchtigt, das Selbsterleben bekommt eine andere, angstmachende
Dimension, was die Paniksymptome verstärkt, insbesondere die Angst vor
dem Verrücktwerden. Bei starker Hyperventilation treten binnen einer
Minute Symptome auf. Sie sind zwar unangenehm, bewirken aber keine
bleibenden Schäden.
Eine zu rasche und zu tiefe Atmung im Sinne einer Hyperventilation
führt paradoxerweise zu einem Sauerstoffmangel, verbunden mit dem
Angstgefühl zu ersticken, so dass noch schneller und tiefer geatmet
wird (was die Symptomatik verschärft).
Trotz des Überatmens besteht ein Gefühl von Luftnot, das sich bis zur
Erstickungsangst steigern kann. Dies hängt damit zusammen, dass die
Atmung vor allem durch einen Kohlendioxidüberschuss und in geringerem
Ausmaß auch durch einen Sauerstoffmangel angeregt wird. Bei einer
Hyperventilation ist gerade das Umgekehrte der Fall, so dass das
Atemzentrum die Atmungsvorgänge vermindert.
Menschen, die chronisch hyperventilieren, haben oft keine eindeutig
abgrenzbaren akuten Anfälle, nur relativ unspezifische und vage
Beschwerden, selten Atemstörungen oder Tetaniezeichen. Als Leitsymptome
des chronisches Hyperventilationssyndroms gelten: Schwindel,
Brustschmerzen, kalte Hände und Füße sowie verschiedene psychische
Beschwerden (Müdigkeit, Schlappheit, Schläfrigkeit, Wetterfühligkeit,
Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Reizbarkeit, Angespanntheit,
ängstliche oder depressive Symptomatik).
Panikattacken lassen sich nach neueren Untersuchungen nicht generell
durch die direkte biologische Wirkung der Hyperventilation erklären,
wenngleich im Einzelfall Hyperventilation oft zu Panikattacken führen
kann. Panikattacken dürfen nicht einfach mit dem
Hyperventilationssyndrom gleichgesetzt werden. Viele Panikpatienten
hyperventilieren überhaupt nicht. Provokationstests bewirkten bei
Panikpatienten keinen erniedrigten Kohlendioxidpartialdruck des Blutes,
der bei chronischer Hyperventilation zu erwarten gewesen wäre.
Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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