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Stoffwechsel
Unter Stoffwechsel versteht man alle chemischen Vorgänge im Inneren des Körpers, in jeder lebenden Zelle. Das gilt von dem ursprünglichen Ausgangsstoff Unter Stoffwechsel versteht man alle chemischen Vorgänge im Inneren des Körpers, in jeder lebenden Zelle. Das gilt von dem ursprünglichen Ausgangsstoff der zugeführten körperfremden Nahrung über deren Umbau bis zu den Endprodukten.

Zu den Stoffwechselsubstanzen gehören Kohlehydrate (z.B. Zucker oder Getreidestärke), Fette, Proteine (Eiweißstoffe), Mineralsalze, Spurenelemente, Vitamine, Sauerstoff und Wasser.

Der durch die Atmung aufgenommene Sauerstoff sorgt in den Körperzellen für die Verbrennung der Nährstoffe, wodurch diese nutzbar gemacht werden. Die dem Körper zugeführte Nahrung wird um- bzw. abgebaut. Im Verdauungsvorgang werden die verwertbaren Bestandteile chemisch umgeformt und in kleine Teile zerlegt, damit sie die Darmwand durchdringen und in das Blut eintreten können. Über den Blutkreislauf werden sie den Zellen zugeführt und helfen dort entweder deren eigene Substanz aufzubauen (Zellstoffwechsel) oder dienen der Energiegewinnung (Betriebsstoffwechsel).

Bei Angst, Aufregung und Stress bewirkt das sympathische Nervensystem eine Beschleunigung der gesamten Stoffwechselprozesse und infolgedessen eine verbesserte Leistungsfähigkeit des menschlichen Organismus (energieabbauender Stoffwechsel). Subjektiv fühlt man sich durch den erhöhten Energieverbrauch oft heiß und erhitzt, hinterher oft müde und ausgelaugt.

Bei körperlicher und/oder seelischer Belastung zeigt sich folgender Stoffwechsel:
  1. Zuerst erfolgt in der Alarmphase über die Katecholamine des Nebennierenmarks (Adrenalin, Noradrenalin) ein Abbau vorhandener Energien. Die Alarmreaktion besteht in einer höchstens 3-4 Minuten dauernden massiven Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Nach einigen Minuten lässt die Alarmwirkung nach, und es kommt zur Gewöhnung an den Stressor bzw. zur Entspannung oder (bei weiterer körperlicher oder seelischer Belastung) zur Widerstandsphase.
  2. In der Widerstandsphase erfolgt über die Zuckerstoffwechselhormone der Nebennierenrinde (Glukokortikosteroide, insbesondere Kortisol) der Aufbau und die Preisgabe neuer Energien. Nach 4 Stunden setzt die volle Wirksamkeit ein: Zuckerherstellung aus Eiweiß, verstärkte Magensaftproduktion (Verdauungsförderung zur Energiegewinnung). Gleichzeitig werden die vorhandenen Katecholamineffekte verstärkt (Herzleistung-erhöhende Adrenalinwirkung, gefäßverengende Noradrenalinwirkung).
  3. Gleichzeitig mit der Ausschüttung der Zuckerstoffwechselhormone erfolgt bei längerer Belastung eine vermehrte Freisetzung von Schilddrüsenhormonen (insbesondere Trijodthyronin). Dies bewirkt eine Beschleunigung der Stoffwechselvorgänge durch raschere und verstärkte Sauerstoffzufuhr in die Zellen. Trijodthyronin (T3) bewirkt eine gesteigerte Verbrennung von Kohlehydraten (Zucker und Stärke), Eiweiß und Fetten, eine Steigerung des Grundumsatzes, eine Erhöhung des Zuckerabbaus bis zur Erschöpfung der Reserven und damit einen Anstieg des Blutzuckers, eine Entleerung der Fettdepots und einen Mangel an Eiweiß. Die dabei anfallende Verbrennungswärme wird durch Schwitzen und erhöhte Durchblutung der Hautgefäße an die Umwelt abgegeben.

Der Stoffwechsel kann durch eine Schilddrüsenstörung zu stark oder zuwenig ausgeprägt sein (übermäßige oder zu geringe Verbrennung der Nahrungsstoffe).

Eine Schilddrüsenüberfunktion (vor allem zuviel Trijodthyronin) führt zu folgenden Symptomen: starke Erhöhung des Grundumsatzes, übermäßiges Hitzegefühl, Gewichtsabnahme trotz Appetit (Magerkeit), Herzrasen, Verdauungsstörungen, Durchfall, Unruhe und Nervosität, psychische Veränderungen (Depressivität, Schlafstörungen). Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Panikattacken bewirken.

Bei Ruhe und Entspannung kommt es - vermittelt durch das parasympathische Nervensystem - zur Reduzierung der gesamten Stoffwechselprozesse. Dies ermöglicht eine Erholung des ganzen Körpers und energieaufbauende Stoffwechselprozesse.

Zuckerspiegel

Glukose ist der Treibstoff, mit dem der Körper läuft. Das Gehirn kann nicht (wie z.B. das Muskelgewebe) Proteine aufnehmen und nutzen. Deshalb treten bei sinkendem Blutzuckerspiegel (insbesondere bei einem Nüchternblutzuckerspiegel unter 50 mg %) viele Symptome auf, die eine große Beunruhigung auslösen. Die gegenteilige Situation (z.B. "Stresszucker" als Folge andauernder seelischer Belastung) wird dagegen subjektiv meist gar nicht wahrgenommen. Wir brauchen keine großen Zuckereinlagerungen, um den Nachschub an Glukose zu gewährleisten, denn die meisten Lebensmittel können vom Körper in Glukose und Fruktose gespalten werden.

Bei Angst, Aufregung und Stress bewirkt das sympathische Nervensystem eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels durch Umwandlung des in der Leber und Skelettmuskulatur gespeicherten Glykogen in Glukose (Traubenzucker) mit anschließender vermehrter Zuckerausschüttung in das Blut, um mehr Energie für den sofortigen Verbrauch der Muskeltätigkeit bereitzustellen. Zuckerüberschüsse sind in der Leber gespeichert, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können, wenn der Verdauungstrakt leer ist. Angstpatienten weisen in der Regel keinen Zuckermangel auf, sondern Schwankungen des Blutzuckerspiegels (instabile Blutzuckerwerte).

Symptome erzeugt eher ein rasches Absinken des Blutzuckerspiegels als ein zu niedriger Blutzuckerwert. Eine regelmäßige und ausgewogene Ernährung ist daher sehr wichtig. Als Soforthilfe sind 3 Stück Dextroenergen anzuraten, länger wirksam ist jedoch ein Stück Vollkornbrot oder Obst.

Bei Angst, Aufregung und Stress wird schnell viel Insulin produziert, was zur Folge hat, dass mehr Insulin ausgeschüttet wird als der Körper benötigt. Dies wiederum führt dazu, dass die verfügbare Glukose schnell aufgebraucht wird und der Blutzuckerspiegel drastisch sinkt. Ein erniedrigter Blutzuckerspiegel trägt dazu bei, dass schon kleine Veränderungen in der Atmung, wie sie in Angstsituationen immer auftreten, körperliche Symptome produzieren. Es treten die typischen Hypoglykämiesymptome auf, die der Körper durch einen massiven Adrenalinschub zu bewältigen versucht.

Der Verzehr von Süßigkeiten (z.B. Pralinen) bei Stress und Traurigkeit erhöht nachweislich den Serotoninspiegel, was die subjektiv angenehmen Zustände begründet, führt jedoch bei zu großen Mengen zu einem Blutzuckerabfall und infolgedessen zu einem erhöhten Adrenalinschub mit umfassender sympathischer Überaktivierung, was als Auslöser für Panikattacken dienen kann.

Bei Angst, Aufregung und Stress besteht oft eine Appetitlosigkeit, die zu einer zeitweiligen Unterzuckerung führt, so dass Angst- und Stresssituationen eine noch größere Unterzuckerung bewirken. Es treten dann die Symptome von Hypoglykämie auf, die der Körper durch einen massiven Adrenalinschub zu bewältigen versucht und damit eine massive körperliche Aktivierung auslöst.

Hypoglykämie (Unterzucker) führt zu folgenden Symptomen: Herzklopfen und Herzrasen, Blutdrucksenkung, Schwindel bis hin zur Ohnmacht, dumpfe Kopfschmerzen, Schweißausbruch (kalter Schweiß), Zittern (meistens inneres Zittern ohne entsprechende äußere Anzeichen), Blässe der Haut, kalte Hände und Füße, Übelkeit, Magenkrämpfe, innere Unruhe, Angstzustände (Panik), plötzliche Traurigkeit, Schlaflosigkeit zwischen zwei und drei Uhr morgens (wegen Blutleere im Gehirn), Müdigkeit am Vormittag und am Nachmittag, Koordinationsstörungen, Zucken der Augenlider, Sehstörungen (Doppelbilder), Ataxie, Bewusstseinsstörungen, Heißhunger (Hunger auf Süßes), Hungergefühl eine Stunde nach der Mahlzeit.

Bei Angst- und Panikpatienten ist das Phänomen der Unterzuckerung mit anschließender Ankurbelung des Sympathikus eine Erklärung dafür, dass nach einer längeren Konfrontationstherapie keine Gewöhnung (Habituation) an die angstmachenden Situationen eintritt. Sollte im Rahmen einer Konfrontationstherapie das Gefühl eines inneren Zitterns auftreten (von dem die Betroffenen meist irrtümlich annehmen, dass es auch äußerlich sichtbar sein müsse), dann empfiehlt sich zur Überprüfung eines eventuellen Zuckermangelsyndroms ein kleiner Imbiss. Wenn aus Angst und Aufregung keine Nahrungsaufnahme möglich ist, erhärtet sich der Verdacht auf eine Hypoglykämie.
Die Betroffenen sollten dann ihren Blutzuckermangel als Folge ihrer angst- und Stressbedingten Appetitlosigkeit erkennen lernen, weil sie dadurch in Angstsituationen weniger angstmachende Ursachenzuschreibungen vornehmen können.

Über das parasympathische Nervensystem kommt es zur Reduzierung des Blutzuckerspiegels durch verminderte Zuckerausschüttung.

Ursachen für Hypoglykämie

Eine Hypoglykämie kann durch folgende Faktoren bedingt sein:

  1. Zu hohe Dosierung blutzuckersenkender Medikamente (Insulin, Tabletten).
  2. Zu starke körperliche Belastung.
  3. Stressbedingte Appetitlosigkeit, längeres Nicht-Essen, Abnehmen oder Fasten senkt den Blutzuckerspiegel. Die Symptome der Hypoglykämie sind sinnvoll als Signal, etwas zu essen. Kurzfristig kommt es zur Ausschüttung von Adrenalin, um die Zuckerproduktion anzukurbeln. Das im Körper vorhandene Fett wird in Zucker umgewandelt, um die Unterzuckerung zu beseitigen. Gleichzeitig treten jedoch alle anderen unerwünschten Effekte eines Adrenalinstoßes auf. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel führt somit zu einem erhöhten Adrenalinschub mit umfassender sympathischer Überaktivierung, was wiederum als Auslöser für Panikattacken dienen kann. Eine ausgewogene Ernährung ist daher sehr wichtig.
  4. Zufuhr von zuviel Zucker zur Leistungssteigerung bzw. Verzehr von zuviel Süßigkeiten. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel steil an, was die Bauchspeicheldrüse durch vermehrte Insulinproduktion ausgleicht. Der Blutzuckerspiegel fällt daraufhin steil ab und bewirkt eine Unterzuckerung. Der Abfall von einem anfänglich sehr hohen Blutzuckerspiegel auf das Normalniveau innerhalb kurzer Zeit, wie dies beim Sport der Fall ist, kann das Bild einer Hypoglykämie bewirken, z.B. von 500 mg % auf das Normalniveau von 90 mg %. Zuviel Zucker bzw. Süßes macht müde.
  5. Rauchen, Kaffee und Alkohol führen über die Stimulierung des Sympathikus zu erhöhtem Blutzucker, der dann durch die vermehrte Produktion und Ausschüttung von Insulin durch die Bauchspeicheldrüse bis hin zum Unterzucker abgebaut wird. Dasselbe gilt auch für den plötzlichen Entzug von Alkohol und Drogen, wozu auch die Tranquilizer gehören. Tranquilizer dürfen daher nur langsam abgesetzt werden, da ansonsten Panikattacken auftreten können. Ein Kater nach zuviel Alkohol wird großteils durch Hypoglykämie ausgelöst. Die Symptome eines Katers sind Zeichen einer Hypoglykämie. Wenn der Blutzuckerspiegel instabil ist, reicht bereits eine kleine Menge Alkohol aus, um Unterzuckersymptome hervorzurufen. Um den Unterzucker wiederum zu beseitigen, wird vermehrt Adrenalin ausgeschüttet, das den Kreislauf unnötig belastet. Zuviel Rauchen oder Alkohol vor dem Essen kann Pa-nikattacken begünstigen. Raucher haben oft einen instabilen Blutzucker. Bei sinkendem Blutzuckerspiegel neigen sie zum Rauchen statt zu richtiger Ernährung.

Unterzuckerungs-Angstsyndrom bei Zuckerkrankheit

Besonders jüngere Menschen mit insulinpflichtigem Typ-I-Diabetes müssen ihre Warnsignale rechtzeitig erkennen lernen. Unterzuckerungsbedingte Angstsymptome sind bei ihnen vorwiegend durch "gegenregulatorische" Hormonausschüttungen und nicht so sehr durch den Zuckermangel im Gehirn selbst bedingt.

Unterzuckerungs-Angstsyndrom
Gegenregulationssymptome (Adrenerge Symptome) Zuckermangelsymptome
Angst, nächtliche Alpträume Konzentrationsminderung
Unruhe, Reizbarkeit Merkfähigkeitsstörung
Zittern Kopfschmerzen
Schwitzen Müdigkeits- und Schwächegefühl
Herzklopfen/-rasen Sehstörungen (Verschwommensehen)
Atembeklemmung Schläfrigkeit
Körpermissempfindungen Zunehmende Bewusstseinsstörung und
Gefühl der Unwirklichkeit (Derealisation) schwere neurologische Störungen

Anhand der Zuckerkrankheit können sehr gut die Körper-Seele-Zusammenhänge aufgezeigt werden, ebenso die Probleme monokausaler Erklärungsmodelle, d.h. ob ein Symptom rein körperlich oder rein seelisch bedingt ist. Bei gut eingestelltem Diabetes kann im Rahmen einer großen körperlichen oder seelischen Belastung plötzlich eine Unterzuckerung auftreten, die zu Angstsymptomen führt.

Aus Angst vor Unterzuckerungssymptomen bzw. aus Unsicherheit in der Wahrnehmung dieser Symptome nehmen Zuckerkranke gelegentlich zuviel Zucker, Obstsäfte, Süßigkeiten usw. zu sich und gefährden dadurch die Diabetes-Einstellung.


Autor: Dr.Hans Morschitzky
 
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