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Überblick über das Vegetative Nervensystem
Das vegetative Nervensystem regelt den inneren Betrieb des Körpers, hält alle lebenswichtigen Organtätigkeiten aufrecht und passt den Körper an
Wer nicht handelt, dem wird auch der Himmel nicht helfen.

(Sokrates)

Das vegetative Nervensystem regelt den inneren Betrieb des Körpers, hält alle lebenswichtigen Organtätigkeiten aufrecht und passt den Körper an wechselnde Umweltbedingungen an. Es steuert Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Ernährung, Eingeweide, Verdauung, Drüsentätigkeit, Temperatur, Ausscheidung, Aktivität, Schlaf, Wachstum, Reifung und Fortpflanzung.Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Teilen, die gegensätzliche Funktionen haben und durch ihr Zusammenspiel das vegetative Gleichgewicht des Körpers (Homöostase) aufrechterhalten:

1. sympathisches Nervensystem: für Aktivität und Leistung;

2. parasympathisches Nervensystem: für Erholung, Entspannung und Energieaufbau.

Sympathikus und Parasympathikus im Überblick
Körperbereich Sympathikus - Aktivierung Parasympathikus - Beruhigung
Herz Steigerung des Herzschlags, Kraftsteigerung, Erweiterung der Herzkranzgefäße Verlangsamung des Herzschlags, Verengung der Herzkranzgefäße
Blutgefäße der arbeitenden Muskulatur Erweiterung Verengung
Blutgefäße der Haut Verengung Erweiterung (Erschlaffung)
Blutdruck Steigerung durch Beschleunigung der Herztätigkeit und Verengung der Blutgefäße der Haut Reduzierung durch verringerte Herztätigkeit und Erweiterung der Blutgefäße der Haut
Gerinnungsfähigkeit des Blutes Erhöhung, um eventuelle Wunden zu schließen Abschwächung, d.h. Verdünnung
Stoffwechsel Steigerung, Energieabbau Reduzierung, Energieeinsparung
Bronchien (Lunge) Erweiterung Verengung, Schleimproduktion
Magen/Darm Hemmung der Verdauungsfunktionen, Hemmung der Produktion von Verdauungssäften bzw. Schleim, Anspannung der glatten Muskulatur, Gefäßverengung, Hemmung der Defäkation Förderung der Verdauungsfunktionen, Anregung der Produktion von Verdauungssäften bzw. Schleim, Entspannung der glatten Muskulatur, Gefäßerweiterung, Anregung der Defäkation
Bauchspeicheldrüse Hemmung der Insulinproduktion Förderung der Insulinproduktion
Schweißdrüsen wenig klebriger Schweiß viel dünnflüssiger Schweiß
Speicheldrüsen Hemmung des Speichelflusses (zähflüssiger Speichel) Verstärkung des Speichelflusses (dünnflüssiger Speichel)
Harnblase Hemmung des Zusammenziehens der Harnblase (Harnverhalten) Zusammenziehen der Harnblase (Harnentleerung)
Genitalien Hemmung der Durchblutung der Genitalien (Gefäßverengung), Ejakulation Förderung der Sekretion, Stimulierung der Durchblutung der Genitalien (Gefäßerweiterung), Erektion
Auge Pupillenerweiterung, Lidspaltenerweiterung Pupillenverengung, Akkomodation, Lidspaltenverengung
Tränendrüsen geringe Sekretion starke Sekretion
Gehirn Bewusstseinsaufhellung Bewusstseinsminderung

Die Organe des vegetativen Nervensystems verfügen über eine glatte Muskulatur, die vom Willen nicht steuerbar ist, weshalb man auch vom "autonomen" oder "unwillkürlichen" Nervensystem spricht. Emotionale Zustände (Freude, Ärger, Wut, Leid, Trauer, Angst) bewirken Veränderungen des vegetativen Nervensystems.

Die Informationsweiterleitung im sympathischen und parasympathischen Nervensystem erfolgt über zwei verschiedene Arten von Nervenbahnen:

1. Afferente Bahnen. Weiterleitung der Informationen von der Peripherie in die übergeordneten Zentren (Zentralnervensystem: Gehirn und Rückenmark). Die afferente Erregungsleitung erfolgt über eine einzige Nervenzelle.

2. Efferente Bahnen. Weiterleitung der Informationen von den übergeordneten Steuerungszentren zu den Muskel- und Drüsenzellen. Für die efferente Erregungsleitung sind zwei Nervenzellen erforderlich. Die Umschaltung von der ersten auf die zweite Nervenzelle erfolgt in sog. Ganglien. Ganglien sind Nervenzellansammlungen bzw. Nervengeflechte außerhalb des Zentralnervensystems, die aus den Nervenzellkörpern der zweiten efferenten Nervenzellen bestehen. Das Neuron nach den Ganglien wird auch postganglionäres Neuron genannt. Das erste efferente Neuron, d.h. die Nervenzelle vor den Ganglien, dessen Zellkörper innerhalb des Zentralnervensystems in sog. vegetativen Kernen liegen, wird auch präganglionäres Neuron genannt. Die sympathischen Ganglien liegen in der Nähe der Wirbelsäule, die parasympathischen Ganglien meistens in der Nähe der Erfolgsorgane.

Die Informationsweiterleitung von der präganglionären auf die postganglionäre Nervenzelle erfolgt im sympathischen und im parasympathischen Nervensystem durch den Transmitterstoff Acetylcholin. Die erste, präganglionäre Nervenzelle wird daher auch cholinerg genannt.

Das zweite, postganglionäre Neuron, das direkt auf die Muskel- bzw. Drüsenzelle des Erfolgsorgans einwirkt, weist zwei Transmittersubstanzen auf:

  • Noradrenalin in den sympathischen Nervenfasern, weshalb die postganglionären Fasern des sympathischen Nervensystems auch adrenerg genannt werden.
  • Acetylcholin in den parasympathischen Nervenfasern, weshalb die postganglionären Fasern des parasympathischen Nervensystems auch cholinerg genannt werden.

Die entscheidende Transmittersubstanz des sympathischen Nervensystems ist das Katecholamin Noradrenalin, das in den Endigungen der postganglionären Neurone synthetisiert, in Vesikeln (Bläschen) gespeichert und bei Bedarf freigesetzt wird.

Die Entfernung aus der Synapse geschieht durch Wiederaufnahme und durch enzymatische Inaktivierung mittels der Monoaminooxidase (MAO) und der Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT).

Das sympathische Nervensystem weist Alpha- und Beta-Rezeptoren in zwei verschiedenen Ausprägungen auf, die jeweils unterschiedliche physiologische Wirkungen haben.

Die prä- und postganglionäre Transmittersubstanz des parasympathischen Nervensystems ist der Überträgerstoff Acetylcholin, der auch für die Informationsübertragung an den motorischen Endplatten der willkürlich innervierten quergestreiften Skelettmuskulatur verantwortlich ist.

Periphere adrenerge und cholinerge Erregungsübertragung

Adrenerge Wirkungen
Rezeptor Ort Effekte von Agonisten
alpha1 Gefäße, Uterus, Schließmuskeln (Blase, Darm), Lunge (Bronchiolen), Magen- und Darmdrüsen Kontraktion, Hemmung der Sekretion
alpha2 Gefäße, Niere (Reninfreisetzung), Leber (Lipolyse - Fettabbau), Bauchspeicheldrüse (Insulinfreisetzung) Kontraktion (der Gefäße), Hemmung der Organfunktion
beta1 Herz Niere (Reninfreisetzung) Steigerung von Frequenz, Überleitung und Kontraktilität Steigerung der Sekretion
beta2 Gefäße, Uterus, Schließmuskeln (Blase, Darm), Lunge (Bronchiolen), Bauchspeicheldrüse (Insulinfreisetzung) Erschlaffung, Steigerung der Sekretion
Cholinerge Wirkungen
Rezeptor Ort Effekte von Agonisten
Nikotinrezeptor Skelettmuskulatur vegetative Ganglien Relaxation Erregung, Förderung der Transmission
Muskarinrezeptor Herz glatte Muskulatur Drüsen Abnahme von Frequenz, Kontraktionskraft und Leitungsgeschwindigkeit Kontraktion Sekretionssteigerung

Medikamente wirken auf das vegetative Nervensystem in Form der Beeinflussung der synaptischen Erregungsübertragung ein, wobei es zwei Ansatzmöglichkeiten gibt:

  • Einwirkung in den Ganglien, d.h. bei der Umschaltung von der ersten auf die zweite Nervenzelle. Medikamente, die hier ansetzen, d.h. bei der cholinergen Erregungsübertragung, beeinflussen gleichzeitig Sympathikus und Parasympathikus.
  • Einwirkung bei der Informationsübertragung vom zweiten, postganglionären Neuron auf das jeweilige Erfolgsorgan. Medikamente, die hier eingreifen, wirken spezifischer, d.h. sie beeinflussen nur die adrenerge Übertragung des sympathischen Nervensystems oder die cholinerge Übertragung des parasympathischen Nervensystems. Im parasympathischen Nervensystem dient zwar an beiden Umschaltungsstellen des efferenten Neurons der Transmitter Acetylcholin als Überträgersubstanz, es sind jedoch jeweils andere Rezeptorsysteme vorhanden. Die ganglionären Acetylcholin-Rezeptoren sind so genannte Nikotinrezeptoren, die postganglionären Acetylcholinrezeptoren sind so genannte Muskarinrezeptoren.

Das sympathische Nervensystem - Körperliche Aktivierung

Jeder Stressor bzw. angstmachende Reiz führt zuerst zu einer unspezifischen Aktivierung der Grohirnrinde (Kortex) und des limbischen Systems im Zwischenhirn, die eine Stimulierung des zentralen und peripheren noradrenergen Systems bewirken ("arousal reaction").

Das sympathische Nervensystem ist ein aktivierendes System, das Energie freisetzt (abbaut) und den Körper auf Handlungen und kurzfristige Höchstleistungen vorbereitet (ausgelöst durch die Hormone Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol).

Stress, Aufregung und Angst (besonders Panikattacken) führen zu einer Adrenalinausschüttung mit massiver Körpersymptomatik (Herzrasen, Schwitzen, Atembeschleunigung, Muskelanspannung u.a.). Bei chronischem Stress kann der Adrenalinspiegel bis zum 10-fachen erhöht sein. Angst ist unmöglich ohne körperliche Erregung, körperliche Erregung ist jedoch möglich ohne Angst. Auch Wut und Freude führen zu einer Aktivierung des Sympathikus.

Das sympathische Nervensystem hat folgende Aufgaben:
  • Steigerung des Herzschlags, Erweiterung der Herzkranzgefäße,
  • Steigerung des Blutdrucks durch Beschleunigung der Herztätigkeit und Verengung der Blutgefäße der Haut,
  • Erweiterung der Blutgefäße der arbeitenden Muskulatur,
  • Verengung der Blutgefäße der Haut und der inneren Organe,
  • Steigerung der Schweißdurchlässigkeit der Haut (der Hautwiderstand sinkt ab),
  • Anspannung der Skelettmuskulatur als Vorbereitung auf körperliche Aktivität,
  • Erhöhung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes, um Wunden zu schließen,
  • Beschleunigung des Stoffwechsels (Energieabbau),
  • Erweiterung der Bronchien (Lunge),
  • Hemmung der Verdauungsfunktionen, Anspannung der glatten Muskulatur von Magen und Darm, verstärkte Drüsentätigkeit,
  • vermehrte Ausschüttung von Zucker und Fettsäuren,
  • Hemmung der Insulinproduktion durch die Bauchspeicheldrüse,
  • Absonderung von wenig klebrigem Schleim durch die Schweißdrüsen,
  • Hemmung des Speichelflusses (Produktion von zähflüssigem Speichel),
  • Hemmung der Ausscheidungsorgane (keine Darm- und Blasenentleerung),
  • Hemmung der Durchblutung der Genitalien (Gefäßverengung), Ejakulation,
  • Pupillenerweiterung, Abflachung der Augenlinsen.

Der Hypothalamushinterteil im Zwischenhirn als oberste Steuerungsinstanz des sympathischen Nervensystems setzt gleichzeitig zwei Aktivierungsmechanismen in Gang:

1. Neuronale Aktivierung. Über die Nervenbahn erfolgt die Ausschüttung der Nebennierenmarkhormone Adrenalin und Noradrenalin, die eine kurzfristige maximale Aktivierung durch Rückgriff auf gespeicherte Energiereserven bewirken.

2. Hormonelle Aktivierung. Botenstoffe (Hormone), die über die Blutbahn zu bestimmten Organen und Gewebeteilen transportiert werden, bewirken eine längerfristige Mobilisierung des Körpers durch Aufbau und Preisgabe neuer Energien.

Neuronale Aktivierung (Hypothalamus-Nebennierenmark-System)

Der Hypothalamus im Zwischenhirn als oberste Steuerungsinstanz des vegetativen Nervensystems stimuliert über eine Nervenbahn die Sympathikuskerne im Rückenmark, von denen aus über nervöse (elektrische) Impulse im Nebennierenmark die Ausschüttung eines Hormongemisches von 80% Adrenalin und 20% Noradrenalin in die Blutbahn bewirkt wird. Die Katecholaminausschüttung erfolgt wegen der neuronalen Vermittlung sehr rasch und dient im Sinne einer Alarmreaktion einer nur kurzfristigen Energiemobilisierung durch Rückgriff auf gespeicherte Energiereserven des Körpers.

Adrenalin hat folgende Funktionen:
  • Erhöhung von Schlagkraft, -rate und -volumen des Herzens und damit Steigerung des systolischen Blutdrucks (Druck auf die Gefäßwände),
  • verstärkte Durchblutung der Skelettmuskulatur als Vorbereitung auf Bewegung durch Blutumverteilung (Blutabzug von Magen, Darm und Haut),
  • verstärkte Atmung, um mehr Sauerstoff als Verbrennungsenergie zu haben,
  • Mobilisierung gespeicherter Energiereserven (Zucker, Fette), um mehr Brennstoffe für die bevorstehende Muskeltätigkeit bereitzustellen,
  • Erhöhung des Energiegrundumsatzes um ca. 30%,
  • verstärkte Wärmeproduktion und Temperaturerhöhung als Folge des erhöhten Energieumsatzes,
  • "zentral erregende" Wirkung: erhöhte Erregung, Aufmerksamkeit und Konzentration durch Stimulierung der Formatio reticularis im Hirnstamm und damit auch der Großhirnrinde und des limbischen Systems.

Wegen der zentral erregenden Wirkung gilt die Adrenalinerhöhung als Anzeichen für psychische Belastung und Stress (z.B. vorweggenommene Beanspruchung, Konflikte, Ängste, aber auch positive Gefühle wie freudige Erregung). Adrenalin ist daher auch bei Flucht- und Vermeidungsreaktionen gegenüber Noradrenalin überproportional erhöht. Ein Adrenalinstoß führt zu einer erhöhten geistigen Wachheit, die bei anhaltenden Angst- und Stresszuständen das Abschalten erschwert. Angstbedingtes, abendliches Grübeln im Bett führt häufig zu Einschlafstörungen, manchmal zu Panikattacken.

Eine Panikattacke entsteht durch eine plötzliche Adrenalinausschüttung, die den Körper kurzfristig maximal aktiviert, eine exzessive Kortisolausschüttung ist dagegen nicht gegeben. Eine vermehrte Adrenalinfreisetzung kann nicht nur durch Angst, Aufregung und Stress bewirkt werden, sondern auch durch Ärger, Wut und Aggression.

Noradrenalin hat folgende Funktionen:
  • Erhöhung des diastolischen Blutdrucks durch Anspannung der glatten Muskulatur in den kleinen Arterien (Arteriolen),
  • Erweiterung der Bronchien (Luftröhrenverzweigungen in der Lunge),
  • Förderung der Atemtiefe,
  • Freisetzung von Blutfetten,
  • Hemmung der Magen-Darm-Tätigkeit (um Energie zu sparen).

Noradrenalin wirkt weder zentral erregend noch beschleunigt es den Herzschlag oder erhöht es den Blutzuckerspiegel. Diese energiesparende Anpassung ermöglicht einen sprunghaften Einsatz von energieliefernden Prozessen bei Bedarf, z.B. bei plötzlicher körperlicher Anstrengung oder bei sofort erforderlicher Kampfposition angesichts einer akuten Bedrohung. Körperliche Belastung allein bewirkt eine gegenüber Adrenalin überproportionale Noradrenalinerhöhung. Noradrenalin gilt daher als Anzeichen für eine körperliche Belastung bzw. für eine Kampfreaktion.

Die maximale Aktivierung des Sympathikus durch die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin wird nach einigen Minuten infolge von Gewöhnung an den Stressor (Habituation) gestoppt, so dass eine Überbeanspruchung des Körpers verhindert wird. Dies erfolgt einerseits durch Aktivierung des parasympathischen Nervensystems, andererseits durch chemischen Abbau von Adrenalin und Noradrenalin, was jedoch einige Zeit dauert, so dass man sich auch nach der Beseitigung der Belastung oder Gefahr noch einige Zeit angespannt und erregt fühlt.

Hormonelle Aktivierung (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-System)

Schon während der Alarmreaktion regen die Katecholamine über den Hypothalamus die Ausschüttung von Nebennierenrindenhormonen (Kortikosteroide) an, und zwar von so genannten Glukokortikosteroiden (Zuckerstoffwechselhormonen), die die Auffüllung der entleerten Energiespeicher in Gang setzen. Etwa vier Stunden nach der Alarmreaktion erreichen diese Hormone ihren höchsten Blutspiegel. Ziel der Verschiebung von der neuronal bewirkten, raschen und kurzfristigen Leistungsbereitschaft durch die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin auf eine hormonell ausgelöste, längerfristige Leistungsbereitschaft durch Nebennierenrinden- und Schilddrüsenhormone ist es, den Körper durch Aufbau und Preisgabe neuer Reserven leistungs- und widerstandsfähiger zu machen, ohne ihn dabei so überzuaktivieren, wie dies durch Adrenalin geschieht. Diese Reaktionsmechanismen benötigen wegen der hormonellen Informationsübermittlung über die Blutbahn etwas länger bis zur vollen Wirksamkeit, wirken dafür jedoch langfristiger.

Der Hypothalamus gibt infolge neuronaler Impulse aus höheren Gehirnzentren über die Blutbahn hormonfreisetzende Hormone ab, die die Hypophyse stimulieren, die als oberste Steuerungsinstanz aller hormonellen Prozesse gilt.
Der Hypophysenvorderlappen setzt daraufhin bestimmte Hormone frei, die in den untergeordneten Drüsen die

Ausschüttung bestimmter Endhormone bewirken:
  • Das adrenokortikotrope Hormon (ACTH) bewirkt in der Nebennierenrinde die Ausschüttung der Glukokortikosteroide
  • Kortison (Hydrokortison) und Kortisol, welche vor allem der Zuckerneubildung dienen.
  • Das thyreotrope (schilddrüsenstimulierende) Hormon bewirkt in der Schilddrüse die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen, besonders von Trijodthyronin (T3) und von Thyroxin (T4) zur Stoffwechselbeschleunigung.
  • Das somatotrope Hormon (Wachstumshormon) bewirkt über Wachstumsfaktoren der Leber ebenfalls eine Stoffwechselerhöhung.

Die Glukokortikosteroide (besonders Kortisol) haben folgende Funktionen:
  • Erhöhung des Blutzuckerspiegels durch Umbau von Eiweiß in Zucker, d.h. es erfolgt eine Zuckerneubildung und damit der Aufbau neuer Energiestoffe (Adrenalin dagegen mobilisiert nur vorhandenen Zucker).
  • Steigerung der Herzleistung und Blutgefäßverengung der Haut (Verstärkung der Katecholamineffekte).
  • Blutdruckerhöhung durch verstärkte Herzleistung, Blutgefäßverengung der Haut und Erhöhung der Salzkonzentration im Blut, wodurch die Wasserausscheidung der Niere gehemmt und die Blutmenge erhöht wird.
  • Erhöhung der Blutgerinnung durch vermehrte Bildung von Gerinnungsfaktoren, um bei Verletzungen einen größeren Blutverlust zu vermeiden.
  • Erhöhung der Magensaftproduktion und Appetitsteigerung.
  • Psychische Stimulierung und Aktivierung: Stimmungsverbesserung, die von einem Gefühl des Wohlbefindens bis zu übermäßiger Euphorie reichen kann.
  • Entzündungshemmende Wirkung: Schwächung des Immunsystems und der Krankheitsabwehr durch Hemmung der Bildung von Antikörpern (Immunglobuline) und der Verminderung der Lymphfunktionen. Um alle Energien auf die Bewältigung des anhaltenden Stresszustandes konzentrieren zu können, wird vorübergehend die Neubildung von Eiweiß und damit auch die Antikörperbildung gegenüber körperfremdem und somit bedrohlichem Eiweiß ebenso gehemmt wie die Produktion von weißen Blutzellen (Leukozyten), vor allem von Lymphzellen und Granulozyten, die die wichtigsten Träger der Immunabwehr sind. Bei chronischem Stress hat der Körper daher nur unzureichende Mittel zur Abwehr neuer Belastungen (z.B. Infektionen) zur Verfügung, so dass er anfälliger für Krankheiten ist.

Eine erhöhte Kortisolausschüttung ist die normale Reaktion auf Stress. Anormal hohe Kortisolkonzentrationen bei chronischem Stress können zu Bluthochdruck und Stresszucker führen. Zahlreiche Untersuchungen bei Tieren und Menschen zur Thematik der gelernten Hilflosigkeit konnten zeigen, dass unkontrollierbar und unvorhersagbar unangenehme Reize bzw. Situationen zu einer massiven Kortisolausschüttung führen (leicht nachweisbar durch den Kortisolspiegel im Blut).

Früher wurde davon ausgegangen, dass eine stressinduzierte Hypersekretion von Kortisol das Immunsystem schwächt und für Infektionskrankheiten, Krebs oder Autoimmunkrankheiten anfälliger macht. Neuerdings wird angenommen, dass Kortisol eine protektive Wirkung besitzt, indem eines stressinduzierte Immunaktivierung abgebremst wird, um schädigende Effekte zu vermeiden. Der Zusammenhang zwischen einem Zuviel bzw. Zuwenig an Glukokortikoiden und der Störung der Immunfunktionen ist noch nicht eindeutig geklärt.

Die Schilddrüsenhormone, insbesondere T3 (Trijodthyronin), bewirken eine raschere Sauerstoffaufnahme in den Zellen, so dass mehr Verbrennungsenergie zur Verfügung steht und die Stoffwechselprozesse dadurch beschleunigt werden. Als Folge davon wird die Wärmeproduktion vermehrt.

Chronischer Stress bewirkt eine Drosselung der Produktion der Geschlechtshormone und damit eine Reduktion des sexuellen Verlangens, bei Frauen zusätzlich oft ein Aussetzen der Menstruationsblutung, bei Männern eine geringere Samenproduktion.

Das parasympathische Nervensystem - Körperliche Beruhigung und Erholung

Das parasympathische Nervensystem ist ein wiederherstellendes System, das den Körper zurück in den Normalzustand versetzt und der Ruhe, Erholung und Schaffung neuer Energien dient. Im Gegensatz zum sympathischen Nervensystem reagiert das parasympathische Nervensystem nicht als Ganzes, sondern aktiviert nur diejenigen Funktionen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt notwendig sind. Ein Teil der parasympathischen Nervenfasern läuft im Vagus (10. Hirnnerv) mit, so dass man vereinfachend auch von vagotoner Aktivierung spricht.

Alle Entspannungstechniken (autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Atemtechniken, Meditation, Selbsthypnose, Yoga, Biofeedback) unterstützen die Aktivität des parasympathischen Nervensystems.
Beruhigungsmittel dienen demselben Ziel, machen bei Dauergebrauch jedoch abhängig.

Das parasympathische Nervensystem hat folgende Funktionen:
  • Verlangsamung des Herzschlags, Verengung der Herzkranzgefäße,
  • Reduzierung des Blutdrucks durch verringerte Herztätigkeit und Erweiterung der Blutgefäße der Haut,
  • Verengung der Blutgefäße der arbeitenden Muskulatur,
  • Erweiterung der Blutgefäße der Haut und der inneren Organe (mehr Durchblutung),
  • Erschlaffung der Skelettmuskulatur und dadurch eintretende Entspannung,
  • Verminderte Gerinnungsfähigkeit des Blutes, d.h. Blutverdünnung,
  • Reduzierung des Stoffwechsels (Energieeinsparung und Energieaufbau),
  • Verengung der Bronchien (Lunge),
  • Förderung der Verdauungsfunktionen, Entspannung der glatten Muskulatur von Magen und Darm, reduzierte Drüsentätigkeit,
  • Verminderte Ausschüttung von Zucker und Fettsäuren,
  • Förderung der Insulinproduktion durch die Bauchspeicheldrüse,
  • Absonderung von viel dünnflüssigem Schweiß durch die Schweißdrüsen,
  • Verstärkung des Speichelflusses (dünnflüssiger Speichel),
  • Aktivierung der Ausscheidungsorgane (Darm- und Blasenentleerung),
  • Stimulierung der Durchblutung der Genitalien (Gefäßerweiterung), Erektion,
  • Pupillenverengung, Krümmung der Augenlinsen, Tränenausscheidung.

Psychovegetative Störungen (funktionelle Störungen, die keine Gewebeveränderungen bewirken) zeigen sich kaum in einer isolierten Erregung des gesamten Sympathikus bzw. Parasympathikus, sondern in einer Kombination aus Symptomen beider Nervensysteme. Besonders bei extremen Erregungs- und Panikzuständen bewirken die gleichzeitige Erregung von Sympathikus und Parasympathikus Symptome wie z.B. Herzrasen und Durchfall bzw. Harndrang. Die meisten funktionellen Störungen sind Ausdruck dafür, dass Energie für eine körperliche Leistung bereitgestellt wird, diese aber nicht abgerufen wird (weil sie gar nicht benötigt wird), so dass ein Spannungszustand bestehen bleibt. Viele Stresszustände (z.B. Ängste) spielen sich im Kopf ab, ohne dass eine massive körperliche Aktivität erforderlich wäre.

Unterschiedliche biologische Reaktionsbereitschaft der Menschen

Bei seelischen und körperlichen Belastungen erfolgt in Abhängigkeit von Anlage (Konstitution) und Lernerfahrungen eine individuell sehr unterschiedliche vegetative Reaktionsbereitschaft. Etwas vereinfacht kann man zwei Typen unterscheiden:

Kampf- und Fluchttypen (Sympathikotoniker)
Schrecktypen (Vagotoniker).


Beide Typen können nicht allein durch psychologische Faktoren erklärt werden, sondern drücken unterschiedliche konstitutionelle Bedingungen aus. Die jeweiligen Anlagefaktoren werden jedoch durch bestimmte Erziehungs- und Milieufaktoren verstärkt und sind innerhalb gewisser Grenzen auch veränderbar.

Sympathikotoniker (Kampf-Flucht-Typen)

Sympathikotoniker neigen bei Angst, Aufregung und Stress zu sympathischer Überaktivierung: vermehrte Herz- und Atemtätigkeit, Blutdruckanstieg, Muskelanspannung, Heiß-Werden, abnehmender Appetit, Verstopfung. Sie zeigen eine Überanspannung, ein ständiges "Auf-dem-Sprung-Sein", eine große innere Unruhe, eine leichte Gereiztheit bis zur Aggressivität, eine große Hektik in allen Bewegungen, eine überschnelle Kampf- und Leistungsbereitschaft, eine ständige Überaktivität ohne Entspannung.

Sympathikotoniker neigen im Krankheitsfall zu Störungen des Gefäß-, Herz- und Kreislaufsystems: Bluthochdruck, Kreislaufstörungen, Herzkranzgefäßerkrankungen (Angina pectoris und Herzinfarkt). Ein "Kampftyp" mit ständiger Anspannung und Ausrichtung auf Höchstleistungen wird durch bestimmte Risikoverhaltensweisen (z.B. Rauchen) zusätzlich fixiert.

"Nervosität" ist eine starke Aktivierung des Sympathikus. Der Körper ist bereits auf hohe körperliche und geistige Leistung eingestellt, ohne diese jedoch schon zu erbringen (z.B. Aufregung wegen bevorstehender Prüfung oder Unternehmung). Es besteht eine große Anspannung, die nicht durch erholsame Ruhe abgelöst werden kann, weil man sich bewusst und unbewusst ständig mit der bevorstehenden Belastung beschäftigt. Nicht bewältigbare Erwartungsängste führen zu chronischer Anspannung, wie diese für Angstpatienten typisch ist. In harmloser Form zeigt sich eine deutliche Nervosität oft auch bei bevorstehenden positiven Ereignissen (z.B. Urlaub oder Hochzeit).

Vagotoniker (Schrecktypen)

Vagotoniker neigen bei Angst, Aufregung und Stress zu parasympathischer Überaktivierung: Abfall von Herz- und Atemtätigkeit, Blutdruckabfall, Schwindel, Benommenheit, Ohnmachtsneigung, Atemnot durch Zusammenziehen der Bronchien, Schwitzen, Kälteempfindung, Nachlassen der Muskelspannung ("weiche Knie"), Schwächegefühl, Übelkeit/Brechreiz durch Verkrampfung der Magen- und Darmmuskulatur, Harn- oder Stuhldrang, Erröten, Weinen.
Vagotoniker bleiben in der Schock-/Schreckreaktion wie gelähmt, eben geschockt, stecken und gelangen nicht zu Widerstand und aktiver Auseinandersetzung mit dem Stressor. Das psychische Ohnmachtserleben zeigt sich körperlich in ständiger Benommenheit, Schwindelgefühlen und Ohnmachtsneigung. Die vagotone Befindlichkeit drückt entweder eine starke Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit als Folge einer Schreckbereitschaft bzw. Schockreaktion aus oder eine Erschöpfung nach übermäßiger Anspannung.

Der "Schrecktyp" wird vor allem gefördert durch eine Lebensgeschichte, in der Ohnmachtserleben und Hilflosigkeitsgefühle dominieren, wo von der eigenen Aktivität keine Problemlösung erwartet wird, so dass man sich den Umweltbedingungen wehrlos ausgeliefert fühlt. Diese Reaktionsbereitschaft wurde bei vielen Frauen durch das traditionelle weibliche Rollenklischee wesentlich verstärkt. Eine Frau, die ständig zu Hilflosigkeitsreaktionen neigt, wird auch durch einen Mann verstärkt, der ihre Hilflosigkeit und Abhängigkeit als besonders weiblich schätzt bzw. von seiner Persönlichkeit her eine derartige Frau wünscht.
Vagotoniker neigen im Krankheitsfall zu übermäßig niedrigem Blutdruck mit zahlreichen Folgesymptomen (z.B. Kollapsneigung), Magen-Darm-Beschwerden (chronische Verstopfung, Gastritis, Magenentzündungen, Magengeschwüre, Zwölffingerdarmgeschwüre), Blasenerkrankungen, Bronchialasthma, asthenisch-depressiven Zuständen.

Die Unterscheidung zwischen Sympathikotonikern (Kampf-Flucht-Typen) und Vagotonikern (Schrecktypen) erlaubt bereits unabhängig von konkreten Situationen die Vorhersage der körperlichen Reaktionsweise bestimmter Menschen in Angstsituationen:
  • Sympathikotoniker werden durch die übermäßig schnelle psychovegetative Kampf- oder Fluchtbereitschaft eher über Herzrasen, Druck auf der Brust, starke muskuläre Verspannungszustände und Atemprobleme (Hyperventilation als Folge der Überaktivierung) klagen.
  • Vagotoniker werden eher über Schwindel, "weiche Knie", Übelkeit, Durchfallsneigung, Blasendruck, kalte Hände und Füße klagen, verbunden mit der Angst, umzufallen und ohnmächtig zu werden.

Das biologische Reaktionsspektrum bei Furcht und Bedrohung

Bei Mensch und Tier sind in Furchtsituationen vier Reaktionsmuster möglich, die je nach situativer Notwendigkeit, individueller Reaktionsfähigkeit, Struktur des Organsystems, Temperament und individueller Lerngeschichte variieren können:
  • Flucht,
  • Immobilität und Bewegungsstarre,
  • Abwehr durch Aggression,
  • Beschwichtigung durch Unterordnung.

Das Fluchtverhalten ist charakterisiert durch eine schnelle motorische Reaktion. Bereits bei der Vorstellung von Gefahr erfolgt eine massive Aktivierung des sympathischen Nervensystems (Anstieg des Herzzeitminutenvolumens, des arteriellen Blutdrucks, der Muskeldurchblutung u.a.), um der Muskulatur den benötigten gesteigerten Energiestoffwechsel gewährleisten und auf diese Weise die Fluchtreaktion vorbereiten zu können. Das Muster einer starken Fluchttendenz findet sich z.B. bei Tierphobikern bei der Konfrontation mit den gefürchteten Tieren (oft schon vor dem Anblick des Tieres). Die massive Furchtreaktion äußert sich in einer panikähnlichen Symptomatik.

Immobilität, Bewegungsstarre oder "Einfrieren der Bewegung" ist die der Fluchtreaktion entgegengesetzte Reaktionsmöglichkeit. Sie kann in zwei Formen auftreten:
  • Aufmerksame Immobilität. Der Organismus entwickelt eine Überaufmerksamkeit (Hypervigilanz) und eine Überreaktion auf exterozeptive Reize (z.B. Berührung).
  • Tonische Bewegungslosigkeit. Der Organismus ist steif vor Angst und reagiert selbst bei intensiver und schmerzhafter Stimulation nicht mehr.

Die Immobilitätsreaktion besteht in einer vagotonen Aktivierung, d.h. in einer Steuerung durch das parasympathische Nervensystem (Pupillenerweiterung, Abfall der Körpertemperatur, anfängliche Beschleunigung mit anschließendem dramatischen Abfall der Pulsfrequenz). Die biologische Sinnhaftigkeit der tonischen Immobilität ("Totstellreflex") besteht in einer Sicherung des Überlebens, wenn Flucht oder Kampf aus offensichtlicher Unterlegenheit nicht möglich oder sinnvoll erscheint. Viele Raubtiere greifen ihre Beute nur bei Bewegung an und reagieren nicht auf bewegungslose Tiere.

Blut- und Injektionsphobiker zeigen eine vagotone Reaktionsbereitschaft, wenn sie medizinischen Eingriffen nicht ausweichen können oder dem Anblick von Blut ausgesetzt sind. Es tritt ein zweiphasiges kardiovaskuläres Reaktionsmuster auf: nach anfänglichem Anstieg von Blutdruck und Herzrate erfolgt ein starker Blutdruckabfall bis hin zur vagovasalen Ohnmacht.

Aggressive Verhaltensweisen im Sinne einer Furchtabwehr durch Aggression kommen zum Ausdruck als Drohgebärden in Form bestimmter Körperhaltungen sowie (insbesondere bei Primaten) als drohendes Fixieren des Gegenüber in Form heruntergezogener Augenbrauen, geschlossenem Mund und zusammengepressten Lippen. Bei einer Aggression als Abwehr von Bedrohung werden alle verfügbaren Mittel des jeweiligen Organismus eingesetzt.

Beschwichtigung oder Unterordnung als Variante des Umgangs mit Bedrohung wird besonders bei Bedrohung durch die eigenen Artgenossen gezeigt. Hier werden Gesten der Unterlegenheit und Unterordnung eingesetzt, um dem stärkeren Tier die Anerkennung seiner Überlegenheit zu signalisieren. Diese untertänige Reaktionsweise ist bei vielen Tieren (z.B. Wölfen, Hunden, Primaten) zu beobachten. Menschen mit sozialer Phobie erleben Blickkontakt als recht bedrohlich und signalisieren unbewusst durch ihr ständiges Wegschauen ihre Unterlegenheit. Sie harren (ähnlich wie Agoraphobiker) in sozialen Situationen bei einem generell erhöhten tonischen Erregungsniveau aus.

Das allgemeine Anpassungssyndrom

Bei jeder körperlichen oder seelischen Belastung kommt es zum Ablauf folgender vegetativer Reaktionsphasen, die von Selye [54], dem Begründer der Stressforschung, als "allgemeines Anpassungssyndrom" (AAS) des Körpers an den Stressor beschrieben wurden:

  1. Alarmreaktion bei akutem Stress (durch eine Adrenalinausschüttung),
  2. Widerstandsstadium bei chronischem Stress,
  3. Erschöpfungsstadium bei unzureichender Stressbewältigung.


Alarmreaktion

Jede akute körperliche oder seelische Belastung bewirkt eine kurzfristige, maximale Aktivierung des vegetativen Nervensystems ("Alarmreaktion"). Bei akuter Angst wird extrem schnell das limbische System (namentlich die Amygdala) aktiviert, das über eine Katecholaminausschüttung eine massive körperliche Aktivierung bewirkt.
Bei der Alarmreaktion werden zwei Phasen unterschieden, die für Angst- und Panikreaktionen von zentraler Bedeutung sind:

1. Schockphase,
2. Kampf- oder Fluchtphase.

Schockphase

Bei akuter Bedrohung erfolgt zuerst eine kurze Schockphase. Umgangssprachlich nennt man diesen Zustand "Schrecksekunde". Das vegetative Nervensystem schaltet einen Moment lang auf die vagotone Spannungslage um, also eigentlich auf totale Entspannung. Die massive, parasympathische Aktivität bewirkt eine kurzfristige Reaktionsunfähigkeit, die dem Atemholen, Kräftesammeln und Abschätzen der Gefahr dient.

Ein schwerer psychischer Schock führt zum Absacken von Herztätigkeit und Blutdruck und damit zum Kreislaufabfall bzw. -versagen, der dadurch entstehende Sauerstoffmangel bewirkt Ohnmacht.

Ein leichterer Schock (Schreckreaktion, "Schrecksekunde"), wie dieser in der Regel bei akuter Angst und Bedrohung auftritt, zeigt sich in parasympathisch gesteuerten Reaktionen, z.B. Kreislaufschwäche, Schwindel, Ohnmachtsangst, Atemnot, Zuschnüren der Kehle, Übelkeitsgefühlen, Harn- oder Stuhldrang, Durchfall, Magenkrämpfen, Muskelschwäche ("weichen Knien"), Erröten, Tränenausscheidung, Weinkrämpfen.

Die Schockphase ist (bzw. war in der Evolution) durchaus sinnvoll:

  • Reduzierung der Angriffslust eines Feindes durch die Bewegungslosigkeit im Schock,
  • Schutz vor Entdeckt werden durch Regungslosigkeit anstelle geräuschvoller Flucht,
  • Sicherung des Überlebens bei massiven körperlichen Schäden durch Vorbeugung gegenüber Verblutung (Blutdruckabfall, Hautgefäßverengung, Blutverdickung),
  • Konzentration aller Sinne auf das umfassende Erkennen der Gefahr,
  • kurzfristige Sammlung von Energien als Vorbereitung auf die Angriffsphase.

Bestimmte Menschen, die eher zu einer parasympathisch (vagoton) bestimmten Spannungslage neigen, bleiben in dieser Schock-/Schreckreaktion stecken, d.h. es kommt nicht bzw. nicht so rasch zur sympathisch dominierten Kampf- oder Fluchtphase im Sinne einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Stressor. Sie klagen daher in Belastungs- bzw. Angstsituationen über anhaltende Zustände von Schwindel, Ohnmachtsneigung, Atemnot, "weiche Knie", Harn- oder Stuhldrang, Übelkeit, Magenkrämpfe, Wechsel von Verstopfung und Durchfall ("Reizdarm").

Kampf- oder Fluchtphase

Nach der Schreckreaktion stellt sich der Körper in der Kampf- oder Fluchtphase auf eine kurzfristige Höchstleistung ein. Man spricht von einer "Bereitstellungsreaktion", die den sofortigen maximalen Einsatz unseres ganzen Körpers bewirkt und Kampf oder Flucht zum Ziel hat. Es erfolgt eine durch den Sympathikus (mittels "Adrenalinschub") gesteuerte massive Aktivierung des Herz- und Kreislaufsystems und der Atmung, eine Anspannung der Skelettmuskulatur u.a. Dabei werden gleichzeitig alle momentan nicht benötigten Körpervorgänge gehemmt (Appetit, Verdauung, sexuelle Reaktion, Immunabwehr u.a.), um kurzfristig alle Energien auf die Bewältigung der aktuellen Stresssituation konzentrieren zu können. Der Zeitablauf für diese Mobilmachung beträgt etwa ½-1½ Minuten. Gleichzeitig entwickeln sich anstelle der langsamen und gleichmäßigen Hirnwellen, wie sie in Ruhe typisch sind, schnelle, unruhige und unregelmäßige Hirnwellen als Zeichen der erhöhten Erregung und Aufmerksamkeit.

Die massive Aktivierung erfolgt durch zwei verschiedene Arten von Stresshormonen:

1. Nebennierenmarkhormone (die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin) bewirken zuerst eine 3-4 Minuten dauernde massive Aktivierung des Sympathikus.
2. Nebennierenrindenhormone (die Glukokortikosteroide Kortisol und Kortison) ermöglichen - zeitlich etwas verzögert und länger wirksam - die Bewältigung eines länger andauernden Stresszustands.

Herz und Kreislauf arbeiten auf Hochtouren, die Blutgefäße der Haut verengen sich und der Blutdruck steigt. Die Ankurbelung des Blutkreislaufs dient dem erhöhten Energietransport, um die Zellen des Körpers rasch und ausreichend mit Sauerstoff, Nährstoffen und den steuernden Botenstoffen (Hormonen) versorgen zu können. Die Atmung wird schneller und tiefer, um möglichst viel Sauerstoff als Verbrennungsenergie für den Körper aufnehmen zu können. Die Skelettmuskulatur wird angespannt, um den Körper auf Kampf oder Flucht vorzubereiten, so dass man sich "ständig auf dem Sprung" fühlt. Die im Körper in Form von Zucker- und Fettreserven gespeicherte Energie wird bereitgestellt und in den Blutkreislauf ausgeschüttet. Die erhöhte Energiezufuhr an die Skelettmuskulatur wird durch eine Intensivierung der Durchblutung erreicht, indem die Blutgefäße der Skelettmuskulatur erweitert werden. Angesichts von akuten Gefahren ist auch eine maximale geistige Aufmerksamkeit gegeben, so dass man sich hellwach erlebt, bis hin zur unangenehmen Überwachheit (Hypervigilanz).

Alles, was im Moment nicht lebensnotwendig ist, wird ausgeschaltet. Zur Mobilisierung vorhandener Reserven wird für den kurzen Zeitraum der Alarmreaktion alles gehemmt, was einem längerfristigen Energieaufbau dient:

  • Hemmung des Appetits,
  • Hemmung der Magen- und Darmtätigkeit,
  • Hemmung der sexuellen Reaktionsfähigkeit,
  • Hemmung der Immunabwehr des Körpers, d.h. die Widerstandskraft gegen Krankheitskeime (Infekte) nimmt ab, was auch auf Hochleistungssportler zutrifft.

Bei der Flucht- oder Kampfbereitschaft scheinen unterschiedliche sympathische Aktivitäten gegeben zu sein. Beim Fluchtimpuls steht die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin im Vordergrund. Dieses bewirkt eine Verengung der Blutgefäße, eine Freisetzung von Blutzucker, eine Förderung der Blutgerinnung und eine (über)starke geistige Aktivierung. Bei einer Kampfbereitschaft kommt es dagegen vorwiegend zur Produktion von Noradrenalin, das den Herzschlag und den Blutdruck erhöht sowie Blutfette freisetzt. Nach einigen Minuten lässt die Alarmwirkung nach, es kommt zur Entspannung oder (bei Andauer der körperlichen oder seelischen Belastung) zur Widerstandsphase (Anpassungsphase). Alpha2-adrenerge und beta-adrenerge Rezeptoren sowie andere neuronale Systeme (insbesondere über GABA) bewirken im Sinne eines Feedbacksystems ein Abklingen der Reaktion und ein neues Gleichgewicht.

Die Begriffe "Kampf" und "Flucht" sind bei vielen Stresssituationen nicht wörtlich zu nehmen. "Kampf" bezeichnet das Herangehen an die angst- oder Stressauslösende Situation, den Versuch, das Problem aktiv zu lösen, "Flucht" jede Art von Rückzug aus den belastenden Situationen, auch Fluchtimpulse, nicht nur wirkliches Weglaufen.

Zum Verständnis, warum gerade die körperliche Leistung bei Stress im Vordergrund steht, muss man bedenken, dass sich diese vegetative Reaktion in Millionen von Jahren allmählich herausgebildet hat. Die meiste Zeit lebten die Menschen unter Bedingungen, in denen körperliche Leistungsfähigkeit (Kraft, Schnelligkeit) die entscheidende Voraussetzung dafür war, in Stresssituationen zu überleben. Unsere biologische Ausstattung stammt aus einer früheren Phase der Evolution, wo Kampf oder Flucht die angemessensten Reaktionsweisen waren, um mit Bedrohung fertig zu werden.

Derselbe körperliche Reaktionsmechanismus der Kampf- oder Fluchtphase läuft auch dann ab, wenn Situationen nur als bedrohlich vorgestellt werden, d.h. der Körper unterscheidet nicht zwischen realen und vorgestellten Gefahren. Körperliche Mobilisierung bereits bei der Vorstellung von Gefahren ist notwendig, um bei tatsächlicher Gefahr rasch reaktionsbereit zu sein. Der Organismus reagiert somit bei körperlichen und seelischen Belastungssituationen in gleicher Weise mit einer Aktivierung des vegetativen Nervensystems. Bei psychischem Stress ist die körperliche Mobilisierung meist zu stark, weil keine entsprechende Aktivität (Kampf oder Flucht) erforderlich ist.
Die körperliche Aktivierung stellt vor allem dann eine Fehlsteuerung dar, wenn vorschnell und unberechtigt Situationen als gefährlich eingeschätzt werden. Es kommt zu einem körperlichen Anspannungszustand, der mangels Bewegung bestehen bleibt, sowie zum Aufbau von Energie und zur Beschleunigung von Stoffwechselvorgängen, was gar nicht erforderlich ist.

Widerstandsphase (Anpassungsstadium)

Als Widerstandsphase bezeichnet man die Zeit, in der die Aktivierung des Körpers andauert. Diese Zeitspanne hängt davon ab, wie lange die belastende Situation weiterbesteht bzw. wie lange der Körper in der Lage ist, die übermäßige Anspannung aufrecht zu erhalten. Um die vom Sympathikus gesteuerte Mobilmachung des Körpers zu bremsen, setzt einige Minuten nach Beginn des Alarmstadiums eine Gegenregulation über den Parasympathikus ein.

Dadurch soll der Körper wieder in das Gleichgewicht gebracht werden. In dieser Phase der Stressreaktion kann es zur übersteigerten Aktivierung von Magen- und Darmtätigkeit kommen, verbunden mit Gefühlen von Übelkeit, Erbrechen, Stuhl- und Harndrang.

Im Widerstandsstadium passt sich der Körper bei Bedarf an einen längerdauernden bzw. chronischen Stressor durch Mobilisierung anderer Abwehrkräfte an:

Nebennierenrindenhormone: die Zuckerstoffwechselhormone (Glukokortikosteroide) Kortisol und Kortison dienen der Zuckerherstellung.
Schilddrüsenhormone: Tri- und Tetrajodthyronin (Thyroxin) beschleunigen die Stoffwechselprozesse.

Es kommt (nach 4 Stunden) zur vollen Wirksamkeit der Nebennierenrindenhormone, insbesondere des Glukokortikosteroids Kortisol (Hydrokortison), das Aufbau und Preisgabe neuer Energien ermöglicht. Dies geschieht durch Zuckerherstellung aus Eiweiß sowie durch verstärkte Magensaftproduktion (Verdauungsförderung). Gleichzeitig werden die Katecholamineffekte verstärkt (Herzleistung erhöhende Adrenalinwirkung, allgemein gefäßverengende Noradrenalinwirkung).

Unkontrollierbarer Stress führt zu einem langanhaltenden erhöhten Glukokortikoidspiegel. Anhaltender, unbewältigbarer Stress bewirkt eine "erlernte Hilflosigkeit", die das Tiermodell für Stresserkrankungen darstellt. Die Entdeckung von Glukokortikoidrezeptoren im Gehirn weist darauf hin, dass die Stressreaktion nicht nur vom Gehirn ausgeht, sondern auch darauf zurückwirkt und degenerative sowie regenerative Folgezustände auslöst. Bei Dauerstress erfolgt eine Degeneration noradrenerger Axone und eine Verringerung der noradrenergen Innervationsdichte im Kortex.

Neben der Ausschüttung von Glukokortikosteroiden kommt es bei längerer Belastung auch zur vermehrten Freisetzung von Schilddrüsenhormonen, die eine Steigerung der Sauerstoffaufnahme der Zellen und damit eine Beschleunigung der Stoffwechselvorgänge bewirken. Insbesondere T3 (Trijodthyronin), das bereits nach Stunden seine Maximalwirkung erreicht, bewirkt eine gesteigerte Verbrennung von Kohlehydraten (Zucker und Stärke), Eiweiß und Fetten, eine Steigerung des Grundumsatzes, eine Erhöhung des Zuckerabbaus bis zur Erschöpfung der Reserven und damit einen Anstieg des Blutzuckers, eine Entleerung der Fettdepots und einen Mangel an Eiweiß. Die anfallende Verbrennungswärme wird durch Schwitzen und erhöhte Durchblutung der Hautgefäße an die Umwelt abgegeben.

Als gefährlicher Nebeneffekt der Konzentration aller Energien auf die Bewältigung eines Dauerstresses zeigt sich eine erhöhte Anfälligkeit des Körpers für Krankheiten, da der Körper hierfür nur unzureichende Abwehrreserven zur Verfügung hat.

Erschöpfungsphase

Nach der Bewältigung des Stresszustandes in der Widerstandsphase erfolgt eine Umschaltung in die parasympathische (vagotone) Spannungslage, die der Erholung dient. Bei unzureichender Stressbewältigung arbeitet das sympathische Nervensystem weiter, während gleichzeitig das parasympathische Nervensystem aktiviert wird. Es kommt dadurch zu einer Störung in den normalerweise gut koordinierten vegetativen Abläufen, zu einem Nebeneinander von Anspannung und Schwäche. Erst nach einer Weile haben sich die einzelnen Körperfunktionen wieder so eingespielt, dass man wirklich abschalten und sich erholen kann.

Diese Störungen werden bei einmaligen oder seltenen Stresssituationen verhältnismäßig leicht überwunden. Gelingt dies wegen des anhaltenden physischen oder psychischen Stresszustandes nicht, bleibt das Missverhältnis zwischen Aktivität und Entspannung auf Dauer bestehen, was sich entweder mehr im Sinne einer übermäßigen Anspannung (sympathikotone Richtung) oder in einem Schwächezustand (vagotone Richtung) äußert.

Die Überforderung der einzelnen Organfunktionen bewirkt Befindensstörungen:

funktionelle ("somatoforme") Störungen (Funktionsstörungen ohne Gewebeveränderungen);
psychosomatische Krankheiten (Organstörungen mit Gewebeveränderungen).

Psychische Überlagerungen können bei vielen organischen Krankheiten auftreten, so dass man gar nicht von einigen typischen psychosomatischen Krankheiten (z.B. Bluthochdruck, Asthma, Magen-, Darm-, Zwölffingerdarmgeschwür) sprechen kann. Andererseits können primär körperliche Faktoren die psychische Befindlichkeit beeinträchtigen.

Therapeutisch bedeutet die Wechselwirkung von körperlichen und geistig-seelischen Vorgängen, dass zur Gesundung bei schweren Störungen auf beiden Ebenen angesetzt werden muss.

Chronische Stress und Angstzustände beeinträchtigen die Heilungschancen bei vielen Krankheiten (z.B. bei Krebs, Infektionskrankheiten). Bei ständiger Überlastung ist die Immunabwehr so geschwächt, dass selbst ein Schnupfen übermäßig lange anhält.

Eine allgemeine Erschöpfung wird heute auch "chronisches Erschöpfungssyndrom" genannt. Das äußere Bild der Erschöpfung kann sehr unterschiedlich ausschauen, z.B.
Bluthochdruck, erhöhter Blutfettspiegel, fraglicher Herzinfarkt,
"Nervenzusammenbruch", niedriger Blutdruck, Magenschleimhautentzündung,
chronische Kopfschmerzen, anfallsweises Herzrasen, ständige Müdigkeit.

Es gibt einige Störungen, die bei fast allen Erschöpfungszuständen auftreten: Schlafstörungen, Einschränkung der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, Nervosität. Die Überforderung und Erschöpfung zeigt sich immer an dem Organ oder Organsystem, das am wenigsten belastbar ist.

Die organische Schwäche kann anlagemäßig vorhanden sein oder nur im Moment bestehen. Jemand mit einer erblichen Veranlagung zu erhöhter Magensäureproduktion wird bei dauerndem Stress wahrscheinlich am ehesten an einer Magenschleimhautentzündung oder sogar einem Magengeschwür erkranken. Wer sich wenig bewegt, wird bei Belastungen vielleicht mit Rückenschmerzen reagieren.

Das "schwächste Glied in der Kette", das Organ, an dem sich die Erschöpfungs- und Krankheitszeichen zuerst zeigen, kann auch durch bestimmte Risikoverhaltensweisen vorgeschädigt sein. Nikotin-, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch können die Grundlage für eine Magenschleimhautentzündung sein, das Rauchen die Grundlage für eine chronische Bronchitis oder Kreislaufstörung, falsche Ernährung für Stoffwechselstörungen usw.

Körperliche Reaktionsabläufe bei Panikattacken

Angst, Aufregung und Stress bewirken bestimmte biologisch sinnvolle vegetative Reaktionen, im negativen Fall bestimmte belastende Fehlregulierungen. Jede unnötige Adrenalinausschüttung führt zu psychovegetativen Beschwerden. Alles, was zu einem drastischen Anstieg des Adrenalinspiegels im Blut führt, kann eine Panikattacke auslösen. Die Alarmierung des Körpers kann dabei durch körperliche und/oder seelische Stressoren bewirkt werden.
Panikattacken können auch nach einer starken körperlichen oder seelischen Belastung auftreten. War der Adrenalinspiegel aufgrund von starkem Stress über einen längeren Zeitraum erhöht, sinkt er mit nachlassender Belastung nicht sofort auf das Normalmaß zurück, sondern wird oft über eine Panikattacke abgebaut. Dies erklärt das häufige Auftreten von Panikattacken gerade in Phasen beginnender Ruhe, d.h. wenn man sich eben in den Sessel gesetzt oder in das Bett gelegt hat.

Der Umstand, dass man die ungewohnten körperlichen Reaktionen in einem Ruhezustand nicht zu erklären vermag, und die einsetzende ängstliche Beobachtung des Körpers, die einem mangels anderer Tätigkeiten möglich ist, führen zu Beunruhigung und Angst und damit zu einer Verstärkung der körperlichen Symptome. Panikattacken können sogar im Schlaf auftreten, und zwar ebenfalls dann, wenn die chronische Verspannung, die man bis in den Schlaf hinein mitgenommen hat, endlich aufhört.

Symptome der Schockreaktion

Die anfänglichen Schock- und Schrecksymptome bei einer Panikattacke werden durch das parasympathische Nervensystem erzeugt:

  1. Kreislaufschwäche, Schwindel und Ohnmachtsneigung entstehen durch den Blutdruckabfall infolge der verringerten Herztätigkeit und/oder der Erweiterung der Blutgefäße der Haut. Der Blutdruckabfall bewirkt Schwindel als Zeichen einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff ("Mir ist so schwindlig", "Ich werde gleich ohnmächtig", "Gleich liege ich hilflos oder bewusstlos auf dem Boden, und die anderen holen die Rettung").
  2. Atemnot ist bedingt durch die Verengung der Luftröhre, die Verkrampfung der Bronchiolen (kleine Luftröhrenverästelungen in der Lunge) und/oder das Zuschnüren der Kehle (Knödelgefühl im Hals), das auf einem Zusammenziehen der obersten Speiseröhrenmuskulatur beruht. In der Schrecksekunde hält man die Luft an ("Mir verschlägt es den Atem", "Mir schnürt es die Kehle zu", "Ich ersticke").
  3. Übelkeit oder Brechreiz wird bewirkt durch die Verkrampfung der Magenmuskulatur ("Mir ist speiübel", "Gleich muss ich erbrechen").
  4. Harn- oder Stuhldrang ergeben sich aus der Aktivierung der Ausscheidungsorgane. Durchfall entsteht aus der übermäßigen Verkrampfung des Dickdarms ("Gleich mache ich in die Hose", "Ich muss sofort aufs Klo", "Ich muss schon wieder auf die Toilette, obwohl ich erst vorhin war").
  5. Weinen stellt eine spezifisch menschliche Form einer Schreckreaktion dar.
  6. "Weiche Knie" beruhen auf der Erschlaffung der Skelettmuskulatur. Der Abfall des Muskeltonus führt oft zur Angst, bald umzufallen ("Meine Knie werden ganz weich", "Gleich sinke ich zu Boden", "Ich muss mich jetzt unbedingt irgendwo anhalten, sonst falle ich um").
  7. Blockierung des Denkens. Dies wird oft als Konzentrationsstörung sowie als Angst, verrückt zu werden, erlebt ("Ich kann nicht klar denken", "Jetzt drehe ich durch", "Gleich werde ich wahnsinnig und muss in die Psychiatrie"). Eine spätere, sympathisch gesteuerte Hyperventilation mit der Folge einer Sauerstoffnot im Gehirn, das Gefühl des Kontrollverlusts sowie das Erleben einer sog. Depersonalisation (Gefühl eines gestörten Selbsterlebens) verstärken die Angst, verrückt zu werden.

Symptome der körperlichen Mobilisierung

Die Symptome der Überaktivierung werden durch das sympathische Nervensystem mittels einer Adrenalinausschüttung erzeugt:

  1. Herzklopfen, Herzrasen und Herzstolpern wird bewirkt durch die plötzliche Beschleunigung des Herzschlags und die Erhöhung der Pumpleistung des Herzens. Sauerstoff und Nährstoffe, besonders Zucker, sollen rasch zu den Skelettmuskeln transportiert werden, um den Körper auf Kampf oder Flucht vorzubereiten. Das Blut wird dazu bis zu 5 mal schneller durch den Körper gepumpt, um es besonders stark mit Sauerstoff und Zucker anzureichern. Ein Adrenalinstoß kann die Herzfrequenz von einem Schlag zum nächsten verdoppeln ("Mein Herz schlägt bis zum Hals", "Gleich bekomme ich einen Herzinfarkt").
  2. Pulsierende Kopfschmerzen, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen oder Kribbeln in Armen und Beinen entstehen durch die Steigerung des Blutdrucks als Folge der erhöhten Herztätigkeit und der Verengung der kleinen arteriellen Blutgefäße der Haut ( "Meine Ohren dröhnen", "Meine Hände sind so kalt und feucht", "In meinen Händen und Beinen ist so ein komisches Kribbeln", "Alles verschwimmt").
  3. Die muskuläre Verspannung des ganzen Körpers bis hin zum Zittern und Beben ergibt sich durch die Anspannung der Muskulatur, was gerade bei ausbleibender Bewegung als sehr unangenehm und schmerzhaft erlebt wird. Der Körper wird für eine Bewegung aktiviert, die nicht erfolgt, so dass keine Abreaktion der Anspannung stattfindet. Die Verspannung der Beinmuskulatur führt zu einem unsicheren Stand, so dass nunmehr aus diesem Grund das Gefühl, bald umzufallen, gegeben sein kann ("Ich bin so wackelig auf den Beinen", "Meine Knie zittern", "Mein ganzer Körper bebt", "Meine Hände sind so zittrig").
  4. Atembeklemmung und Druck auf der Brust durch Hyperventilation. Bei Stress muss schneller geatmet werden, um das Abfallprodukt Kohlendioxid vermehrt abzugeben und Sauerstoff aufzunehmen. Bei grundloser Angst wird jedoch der vom Körper vermehrt aufgenommene Sauerstoff mangels Bewegung nicht verbraucht (man muss ja nicht wirklich davonlaufen) und durch die übermäßige Atmung mit dem Mund zuviel Luft eingeatmet, so dass es zur Überdehnung der Lunge kommt. Dies führt zu einem unangenehmen Druckgefühl im Brustkorb, das oft als Erstickungsgefühl oder Herzproblematik erlebt wird, so dass noch schneller und flacher geatmet wird ("Ich muss ersticken, ich bekomme zuwenig Luft"). Das Blut wird alkalisch, die Blutgefäße verengen sich und bewirken eine mangelnde Durchblutung (auch im Kopf).
  5. Mundtrockenheit entsteht durch die übermäßige Atmung mit dem Mund und die Speichelreduktion in Zusammenhang mit der Blockierung der Verdauungsfunktionen ("Mein Mund ist so trocken, ich muss etwas trinken").
  6. Hitzegefühle entwickeln sich durch den erhöhten Energieverbrauch. Deswegen setzt anschließend Schwitzen als Mittel der Kühlung des überhitzten Körpers durch Wasserverdunstung ein ("Mir wird so heiß", "Ich schwitze ständig").
  7. Geistige Überaktivierung (erhöhte Wachsamkeit), um die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit angesichts möglicher Gefahren zu steigern, resultiert aus der adrenalinbedingten Stimulierung bestimmter Hirnregionen. Bei Fehlen echter Gefahren wird dies als unangenehme Übersensibilität erlebt ("Ich bin so aufgedreht", "Ich fühle mich ganz überdreht", "Ich kann nicht abschalten").

Nach der Sympathikusüberaktivierung erfolgen parasympathische Reaktionen:

  • Schwitzen als Wasserverdunstung zur Kühlung des überhitzten Körpers,
  • Magen- und Darmaktivität (Übelkeit, Brechreiz, Harndrang, Durchfallsneigung),
  • allgemeine Erschlaffung ("weiche Knie" nach der Anspannung sind Ausdruck der Erschöpfung).

Wenn die Panikattacke aus verschiedenen Gründen (anhaltende Todes- oder Verlustängste, massive Erregung durch Wut und Aggressionen, fehlende Bewegung aus Angst umzufallen) nicht abklingt, kommt es zu einem längerdauernden Nebeneinander von sympathisch und parasympathisch bewirkten Körperreaktionen mit einem anschließenden Erschöpfungsgefühl.

Der Körper bei Angstzuständen - Wissenswerte Details

Viele Menschen mit Panikstörung und Agoraphobie haben nach Ausschluss organischer Ursachen ein erhöhtes Erklärungsbedürfnis für ihre Störung. Sie bleiben aus verständlichen Gründen weiterhin organisch fixiert, obwohl sie laut Ärzten "nichts Organisches" haben. Für Betroffene, denen die bisherigen Erläuterungen über die Körper-Seele-Zusammenhänge noch immer nicht ausreichend und konkret genug erscheinen, sowie für interessierte nichtärztliche Psychotherapeuten sind die folgenden Ausführungen gedacht, die mit Hilfe der entsprechenden Fach- und Populärliteratur erstellt wurden. Recht informativ ist das allgemeinverständlich und humorvoll geschriebene Buch "Der gesunde Kranke" von Lieb und Pein, Fachleuten ist das Buch "Biologische Psychologie" von Birbaumer und Schmidt zu empfehlen.

Umfangreicheres Wissen von Menschen mit Angststörungen kann dazu führen, die ärztlichen Erläuterungen, die im Rahmen einer Kassenpraxis mit dem damit verbundenen Zeitdruck oft nur knapp ausfallen, besser zu verstehen und eventuell spezifischere Fragen an den behandelnden Arzt zu richten. Für Angstpatienten, die medizinische Informationen aus Angst vor Beunruhigung vermeiden, stellt der nachfolgende Texte zum Thema eine Art Konfrontationstherapie dar.


Autor: Dr.Hans Morschitzky
 
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