Die Symptome einer Panikattacke wurden bereits von Freud sehr präzise
in seinem bedeutsamen Artikel über die Angstneurose als eine
spezifische Form der
| Wir müssen immerfort Deiche des Mutes bauen gegen die Flut der Furcht.
(Martin Luther King) |
Historische Aspekte der Panikstörung
Die Symptome einer Panikattacke wurden bereits von Freud sehr präzise
in seinem bedeutsamen Artikel über die Angstneurose als eine
spezifische Form der Angstneurose beschrieben. In seinen 1895
erschienenen "Studien über Hysterie", die den Beginn der Psychotherapie
markieren, gibt Freud die Schilderung einer Panikattacke mit Atemnot
durch die 18jährige Katharina wieder, die mit 14 Jahren von ihrem Vater
sexuell bedrängt wurde und mit 16 Jahren zufällig den Vater beim
Geschlechtsverkehr mit ihrer Cousine beobachtete, die in der Folge
davon schwanger wurde.
Die Bekanntgabe der Vorfälle an die Mutter führte zu großem Streit
zwischen den Eltern vor den Kindern, zur Bedrohung Katharinas durch den
Vater und schließlich zur Scheidung der Eltern, was von Katharina
schuldhaft verarbeitet wurde, weil der Vater ihr die Schuld am
Scheitern der Ehe gab.
"Es kommt plötzlich über mich. Dann legt’s sich
zuerst wie ein Druck auf meine Augen, der Kopf wird schwer und sausen
tut’s, nicht auszuhalten, und schwindelig bin ich, dass ich glaub’, ich
fall’ um, und dann preßt’s mir die Brust zusammen, dass ich keinen Atem
kriege... Den Hals schnürt’s mir zusammen, als ob ich ersticken
sollt... Ich glaub immer, jetzt muss ich sterben, und ich bin sonst
couragiert, ich geh’ überall alleine hin, wenn so ein Tag ist, an dem
ich das hab’, dann trau’ ich mich nirgends hin, ich glaub’ immer, es
steht jemand hinter mir und packt mich plötzlich an."
Die Panikstörung als eigenständige Diagnose wurde
erst 1980 in das amerikanische Diagnoseschema und 1992 in das
internationale Diagnoseschema aufgenommen. Die Einführung des Konzepts
der Panikstörung wurde vor allem vom amerikanischen Psychiater Donald
F. Klein seit 1964 betrieben, der darin eine biologische Grundstörung
sah.
Das biologisch orientierte Konzept der Panikstörung förderte die
Entwicklung psychopharmakologischer Ansätze in der Behandlung von
Ängsten und Panikattacken, bewirkte dann aber - unterstützt durch
entsprechende Forschungsergebnisse - eine Gegenbewegung in Richtung
psychophysiologischer Erklärungsmodelle und neuer psychotherapeutischer
Behandlungskonzepte von Panikattacken. Diese Entwicklung wurde in den
USA u.a. von Barlow, in Großbritannien von Clark und Salkovskis und in
der BRD von dem Ehepaar Margraf und Schneider vorangetrieben.
Symptomatik der Panikstörung
Eine Panikattacke wird oft in folgenden oder ähnlichen Worten geschildert:
"Mir wird plötzlich ganz schwindlig und übel. Meine Hände werden taub,
im linken Arm entsteht ein eigenartiges Kribbelgefühl, meine Knie
werden ganz weich. Ich habe Angst, umzufallen und ohnmächtig zu werden,
dann dazuliegen, und niemand kommt mir zu Hilfe. Mein Herz beginnt zu
rasen, ich spüre einen Druck auf der Brust und fürchte, dass ich einen
Herzinfarkt bekomme und sterben muss. Mir wird ganz heiß, ich bekomme
Hitzewallungen, das Blut steigt von unten nach oben. Ich beginne zu
schwitzen, auf einmal überfällt mich ein Kälteschauer am ganzen Körper.
Ich beginne zu zittern, am liebsten würde ich davonlaufen, aber ich
fühle mich wie gelähmt. Meine Kehle schnürt sich zusammen, dass ich
keine Luft mehr bekomme. Ich ringe um Luft, aber es reicht nicht, ich
atme noch mehr und spüre, wie der Druck in meinem Brustkorb ansteigt.
Ich bin dann gar nicht mehr richtig da und glaube, gleich
überzuschnappen und verrückt zu werden. Alles erscheint so unwirklich.
Wenn ich das Ganze überlebe, glaube ich, dass ich in die Psychiatrie
komme. Die Panikattacke dauert etwa eine Viertelstunde. Wenn ich in
dieser Zeit auf meine beiden kleinen Kinder aufpassen muss, denke ich,
wer wird sich um die Kinder kümmern, wenn mir etwas passiert. Wenn mein
Mann in der Nähe ist, beruhige ich mich schneller, als wenn ich allein
bin. Das Erlebnis einer Panikattacke ist so belastend, dass ich
manchmal noch immer nicht sicher bin, ob ich nicht doch eine
körperliche Erkrankung habe, deren Ursache die Ärzte bisher nicht
gefunden haben."
Eine Panikattacke ist eine abgrenzbare Periode
intensiver Angst und starken Unbehagens und besteht aus mehreren,
plötzlich und unerwartet ("wie aus heiterem Himmel"), scheinbar ohne
Ursachen in objektiv ungefährlichen Situationen auftretenden
somatischen und kognitiven Symptomen von subjektiv oft
lebensbedrohlichem Charakter.
Eine Panikattacke als einzelne Episode von intensiver Angst oder
Unbehagen beginnt abrupt, d.h. nicht vorhersagbar, erreicht innerhalb
von einigen Minuten ein Maximum und dauert mindestens einige Minuten an
(nach Forschungsergebnissen durchschnittlich eine knappe halbe Stunde).
Eine Panikstörung besteht aus wiederholten, spontan und unerwartet
auftretenden Panikattacken. Die Panikattacken sind nicht auf
spezifische Situationen oder besondere Umstände bezogen, stehen in
keinem Zusammenhang mit besonderen Anstrengungen, gefährlichen oder
lebensbedrohlichen Situationen und sind auch nicht durch eine
körperliche oder eine andere psychische Störung bedingt.
Nach den Forschungskriterien des ICD-10
- des internationalen Diagnoseschemas der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) - treten bei einer Panikattacke mindestens 4 von 14 körperlichen
und psychischen Symptomen auf (davon muss eines aus den ersten vier
Symptomen der folgenden Liste stammen):
Vegetative Symptome:
1. Herzrasen, Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz,
2. Schweißausbrüche,
3. fein- oder grobschlägiges Zittern (Tremor),
4.
Mundtrockenheit (nicht als Folge von Medikamenten oder Austrocknung).
Symptome, die den Brustkorb oder den Bauch betreffen:
5. Atembeschwerden,
6. Beklemmungsgefühl,
7. Schmerzen und Missempfindungen in der Brust,
8. Übelkeit oder Missempfindungen im Magen.
Psychische Symptome:
9. Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit,
10. Entfremdungsgefühl gegenüber der eigenen Person (Depersonalisation) oder Gefühl der Unwirklichkeit der Umwelt
(Derealisation),
11. Angst die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder "auszuflippen",
12. Angst zu sterben (die auftretenden Symptome lösen Todesangst aus).
Allgemeine Symptome:
13. Hitzegefühle oder Kälteschauer,
14. Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle.
Die
Furcht vor einer weiteren, sehr bedrohlich und nicht kontrollierbar
erscheinenden Panikattacke führt oft zu einer ausgeprägten
Erwartungsangst, die das ganze Leben negativ beeinflusst. Als Folge
davon entwickelt sich häufig eine "Platzangst" (Agoraphobie) mit einer
massiven Einschränkung des Bewegungsspielraumes.
Bei einer Panikstörung stehen die körperlichen Symptome – zumindest
anfangs – derart im Vordergrund, dass viele Betroffene nicht den
Eindruck haben, unter einer Angststörung, sondern unter einer
unbekannten körperlichen Störung zu leiden.
Das amerikanische psychiatrische Diagnoseschema DSM-IV erstellt folgende diagnostische Kriterien für eine Panikattacke:
Eine klar abgrenzbare Episode intensiver Angst und Unbehagens, bei der
mindestens 4 der nachfolgend genannten Symptome abrupt auftreten und
innerhalb von 10 Minuten einen Höhepunkt erreichen:
- Herzstolpern, Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag,
- Schwitzen,
- Zittern oder Beben,
- Gefühl der Kurzatmigkeit oder Atemnot,
- Erstickungsgefühle,
- Schmerzen oder Beklemmungsgefühle in der Brust,
- Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
- Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit oder der Ohnmacht nahe sein,
- Derealisation (Gefühl der Unwirklichkeit) oder Depersonalisation (sich losgelöst fühlen),
- Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden,
- Angst zu sterben,
- Parästhesien (Taubheit oder Kribbelgefühle),
- Hitzewallungen oder Kälteschauer.
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Die einzelnen Anfälle beginnen gewöhnlich ganz plötzlich, steigern sich
innerhalb von Minuten zu einem Höhepunkt und werden trotz der eher
kurzen Dauer von den Patienten sehr unangenehm und stark bedrohlich
erlebt wegen der Intensität und Plötzlichkeit des Auftretens der
vegetativen Symptome. Zwischen den Attacken liegen (in Abgrenzung zur
generalisierten Angststörung) weitgehend angstfreie Zeiträume
(Erwartungsangst ist jedoch häufig). Schwere, Häufigkeit und Verlauf
der Störung können sehr unterschiedlich sein.
Panikattacken dauern meistens nur einen kurzen Zeitraum (einige Minuten
bis zu einer halben Stunde), manchmal auch länger (einige Stunden),
sind dann aber nicht mehr so ausgeprägt. Laut Studien dauern
Panikattacken durchschnittlich eine knappe halbe Stunde. Wenn
Panikattacken länger als 30 Minuten anhalten, ist dies oft durch den
Versuch bedingt, sie zu unterdrücken, zu stoppen oder zu analysieren,
wodurch die Anspannung aufrechterhalten wird. Die Angst vor einer
weiteren, unkontrollierbar erscheinenden Panikattacke führt rasch zu
einer starken Erwartungsangst.
Drei Symptome treten bei Panikattacken besonders häufig auf:
- Herzklopfen/-rasen,
- Schwindel/Benommenheit,
- Atemnot.
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Die Todesangst und die Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt
zu werden, sind häufige psychische Reaktionsweisen auf die bedrohlichen
körperlichen Symptome und angstmachenden Erfahrungen der Entfremdung
(Depersonalisation und Derealisation).
Bei unerwarteten Panikattacken zeigen sich häufiger die Symptome Angst
zu sterben, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren, und
Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle als bei situativ
ausgelösten Panikattacken. Diese Symptome sowie Atemnot, Schwindel-,
Schwäche- und Unwirklichkeitsgefühle werden mehr von Menschen mit
Panikattacken als von Personen mit anderen Angststörungen berichtet.
Nach der Häufigkeit der Symptome (mindestens 4 oder weniger Symptome)
unterscheidet man zwischen vollständigen und unvollständigen
Panikattacken. Menschen mit unvollständiger Symptomatik hatten früher
oft vollständige Panikattacken.
Eine Panikattacke allein ist nach dem DSM-IV keine codierbare Störung.
Codiert wird die Störung, innerhalb der die Panikattacken auftreten:
Panikstörung ohne Agoraphobie oder Panikstörung mit Agoraphobie.
Das DSM-IV unterscheidet nach dem Kontext des Auftretens drei Arten von Panikattacken:
1. Unerwartete (nicht ausgelöste) Panikattacken. Das Eintreten der
Panikattacken hängt nicht von situativen Auslösern ab, sondern erfolgt
spontan ("wie aus heiterem Himmel"). Diese Anfälle sind zur Diagnose
einer Panikstörung erforderlich.
2. Situationsgebundene (ausgelöste) Panikattacken. Das Auftreten der
Panikattacken erfolgt fast immer bei einer Konfrontation mit dem
situativen Reiz oder Auslöser oder dessen Vorstellung (z.B. bestimmte
Verkehrsmittel, Tiere, Menschen, soziale Situationen). Derartige
Panikattacken sind charakteristisch für soziale und spezifische Phobien
und zeigen den Schweregrad der entsprechenden Phobie an.
3. Situationsbegünstigte Panikattacken. Das Auftreten wird durch
phobische Objekte oder Situationen zwar begünstigt, aber nicht sofort
nach der Konfrontation ausgelöst (z.B. Panikattacken beim Autofahren
erst nach längerer Zeit oder nur selten).
Unter einer Panikstörung versteht man das wiederholte, unerwartete
Auftreten von Panikattacken. Das ICD-10 fordert für die Diagnose einer
Panikstörung innerhalb eines Zeitraums von etwa einem Monat mehrere
schwere Angstattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation
oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersagbar
sind.
Eine Panikstörung liegt auch dann vor, wenn nur ganz wenige
Panikattacken spontan auftreten, die Person aber anhaltend von heftiger
Sorge vor weiteren Anfällen geplagt wird (Angst vor der Angst) und
bestimmte Situationen nur mit starkem Unbehagen ertragen kann.
Das
DSM-IV folgende diagnostische Kriterien für eine Panikstörung ohne
Agoraphobie (für eine Panikstörung mit Agoraphobie gelten mit Ausnahme
von B dieselben Kriterien):
A. Sowohl (1) als auch (2):
(1) wiederkehrende unerwartete Panikattacken...
(2) bei mindestens einer der Attacken folgte mindestens ein Monat mit
mindestens einem der nachfolgend genannten
Symptome:
a) anhaltende Besorgnis über das Auftreten weiterer Panikattacken,
b) Sorgen über die Bedeutung der Attacke oder ihre Konsequenzen (z.B.
die Kontrolle zu verlieren, einen Herzinfarkt zu erleiden, verrückt zu
werden),
c) deutliche Verhaltensänderungen infolge der Attacken.
B. Es liegt keine Agoraphobie vor...
Nach
den Forschungskriterien des ICD-10, dem international gültigen
Diagnoseschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ist eine
Panikstörung (F41.0) durch folgende Merkmale charakterisiert:
A. Wiederholte Panikattacken, die nicht auf eine spezifische Situation
oder ein spezifisches Objekt bezogen sind und oft spontan auftreten
(d.h. die Attacken sind nicht vorhersagbar). Die Panikattacken sind
nicht verbunden mit besonderer Anstrengung, gefährlichen oder
lebensbedrohlichen Situationen. B. Eine Panikattacke hat alle folgenden
Charakteristika:
a. Es ist eine einzelne Episode von intensiver Angst oder Unbehagen
b. sie beginnt abrupt
c. sie erreicht innerhalb von Minuten ein Maximum und dauert mindestens einige Minuten
d. Mindestes vier Symptome der unten angegebenen Liste, davon eins von den Symptomen 1. bis 4. müssen vorliegen
Vegetative Symptome:
1. Palpitationen, Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz
2. Schweißausbrüche
3. fein- oder grobschlägiger Tremor
4. Mundtrockenheit (nicht infolge Medikation oder Exsikkose)
Symptome, die Thorax und Abdomen betreffen:
5. Atembeschwerden
6. Beklemmungsgefühl
7. Thoraxschmerzen oder -mißempfindungen
8. Nausea oder abdominelle Mißempfindungen (z.B. Unruhegefühl im Magen)
Psychische Symptome:9. Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit
10. Gefühl, die Objekte sind unwirklich (Derealisation) oder man selbst
ist weit entfernt oder "nicht wirklich hier" (Depersonalisation)
11. Angst vor Kontrollverlust, verrückt zu werden oder "auszuflippen"
12. Angst zu streben
Allgemeine Symptome:
13. Hitzewallungen oder Kälteschauer
14. Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle
C. Häufigstes Ausschlusskriterium:
Die Panikattacken sind nicht Folge einer körperlichen Störung, einer
organischen psychischen Störung (F0) oder einer anderen psychischen
Störung wie Schizophrenie und verwandten Störungen (F2), einer
affektiven Störung (F3) oder einer somatoformen Störung (F45).
Die Diagnose einer Panikstörung soll nach übereinstimmender Aussage des
ICD-10 und des DSM-IV nur dann gestellt werden, wenn die Panikattacken
unerwartet auftreten, d.h. nicht auf Situationen begrenzt sind, in
denen objektive Gefahr besteht oder die bekannt sind oder vorhersehbar
Angst auslösen (z.B. im Rahmen einer Phobie).
Menschen mit einer Panikstörung haben neben unerwarteten (spontanen,
nicht ausgelösten) Panikattacken oft auch situationsgebundene und/oder
situationsbegünstigte Panikattacken (letztere in häufigerem Ausmaß).
Situationsgebundene Panikattacken zeigen dasselbe Erscheinungsbild wie
spontane Angstanfälle.
Panikattacken können nach dem DSM-IV nicht nur bei anderen
Angststörungen, sondern auch bei anderen psychischen Störungen (z.B.
Depressionen), körperlichen Erkrankungen oder Substanzmissbrauch
auftreten. Panikattacken können als Zusatzkategorie zu den
verschiedensten psychischen Störungen angeführt werden. Dies bedeutet
eine Abkehr von der früheren amerikanischen Diagnostik, wonach spontane
und unerwartete Panikattacken implizit als endogenes Geschehen
angesehen wurden.
Die erste Panikattacke stellt meist ein so intensives, existentiell
bedrohliches und traumarisierendes Erlebnis dar, dass aufgrund der
Erwartungsangst ein umfangreiches Vermeidungsverhalten entsteht. Sie
tritt meistens außer Haus auf, weshalb sich oft mehr oder weniger rasch
eine Agoraphobie entwickelt. In vielen Fällen besteht daher eine
Agoraphobie mit Panikstörung. Durch das wiederholte Erleben einer
Panikattacke werden oft existentielle Fragen und Ängste angesprochen
(Tod als Ende oder Beginn einer anderen Existenzform, Sinn des Lebens,
Dauerhaftigkeit von Beziehungen u.a.).
Es ist wie nach einem schweren Unfall, den man nur mit viel Glück
überlebt hat. Plötzlich verliert das Leben seine
Selbstverständlichkeit. Das Urvertrauen in das Leben geht verloren. Man
wird übermäßig vorsichtig aus Angst vor der Wiederholung einer
derartigen Erfahrung, beobachtet und kontrolliert seinen Körper, auf
den man sich früher einfach verlassen hat, und braucht die
Versicherungen anderer (z.B. Angehöriger, Ärzte, Psychotherapeuten), um
sich "in seiner Haut" wohl fühlen zu können. Es entwickelt sich oft ein
extremes Sicherheitsbedürfnis, das risikoscheu macht, auch in
Situationen, die man früher ohne langes Nachdenken problemlos
bewältigen konnte.
Menschen mit Panikstörung entwickeln hinsichtlich der
Begleiterscheinungen und Konsequenzen von Panikattacken
charakteristische Auffassungen, Ursachenzuschreibungen und
Verhaltensweisen, die sich folgendermaßen zusammenfassen lassen:
- Bewertung der Symptomatik als gefährlich, was angstmachend wirkt.
- Neues
"Körper-Bewusstsein", geprägt von der Angst vor einer
lebensbedrohlichen Erkrankung (Herzinfarkt, Schlaganfall, Gehirntumor),
weshalb schon leichte Symptome (Kribbeln, Kopfweh, Nebenwirkungen von
Medikamenten) übermäßig ernst genommen werden. Die Aufmerksamkeit
richtet sich nach innen, auf alle Zustände.
- Mangelnde
Beruhigung trotz vieler organischer Untersuchungen mit negativem
Befund, weil plausible Erklärungen für die Symptomatik ausbleiben.
- Demoralisierung als Folge der nicht bewältigbar erscheinenden Panikattacken.
- Angst,
"verrückt" zu werden oder die Kontrolle zu verlieren. Diese Angst wird
begünstigt durch Depersonalisationserfahrungen, situativ bedingten
Sauerstoffmangel im Gehirn und großen inneren Druck, oft auch verstärkt
durch die Angst, dass andere Menschen die plötzlichen Veränderungen
bemerken könnten. Neben Todesängsten und Kontrollverlustängsten kann
auch die Angst vor sozialer Auffälligkeit und dem Verlust des
Sozialprestiges belastend sein.
Folgenschwere Verhaltensänderungen
(z.B. Kündigung der Arbeitsstelle, Einschränkung des Aktionsradius,
Veränderungen im familiären Zusammenleben). - Entwicklung von Erwartungsängsten und Vermeidungsverhalten
(Agoraphobie).
- Psychologische Abhängigkeit von Hilfsmitteln (Mitnahme von Tabletten, Handy, Spazierstock u.a.) oder nahestehenden Personen.
- Substanzmissbrauch (Alkohol, Tranquilizer) zur Bewältigung der Angstzustände.
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Die relative Unabhängigkeit der spontanen Panikattacken von situativen
Bedingungen bedeutet nach neueren Forschungsergebnissen nicht, dass die
Anfälle völlig spontan, d.h. ohne Auslöser, auftreten. Unerwartete
Panikattacken werden durch interne Reize ausgelöst. Dies erfolgt durch
die Wahrnehmung körperlicher Symptome (z.B. Atemnot oder Herzklopfen),
die als unmittelbar bevorstehende körperliche oder seelische
Katastrophe interpretiert werden, aber auch durch bestimmte
angstmachende Gedanken oder Vorstellungen. Im Gegensatz zu phobischen
und agoraphobischen Syndromen, wo die Aufmerksamkeit auf angstmachende
äußere Reize und deren Vermeidung gelegt wird, erfolgt bei
Panikattacken eine Aufmerksamkeitslenkung nach innen, auf sich selbst:
der Körper wird nach möglichen Anzeichen drohender Gefahr abgesucht.
Bestimmte Situationen führen bei hierfür sensiblen Personen zu
unangenehmen körperlichen Empfindungen, aus denen sich dann
Panikattacken entwickeln können:
- Heißes
oder schwüles Wetter begünstigt unangenehmes Schwitzen, Schwindel,
Herz- und Kreislaufbeschwerden (Blutgefäßerweiterung mit
Blutdruckabfall).
- Enge und geschlossene Räume bewirken das Gefühl, zuwenig Luft zu bekommen (erhöhte CO2-Sensitivität).
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Viele Menschen mit Panikstörung ohne Agoraphobie haben zumindest
anfangs nicht das Gefühl, unter Ängsten zu leiden, außer der Angst vor
einer neuerlichen Panikattacke. Nach der ersten Panikattacke gehen
viele Betroffene aus verständlichen Gründen zum Arzt und lassen sich
durchuntersuchen. Wegen der anfallsartig auftretenden körperlichen
Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Brustschmerz oder Schwindelgefühl wird
Hilfe von praktischen Ärzten, Internisten, Lungenfachärzten, HNO-Ärzten
und Neurologen erwartet, keinesfalls von Psychotherapeuten.
Der Ausschluss organischer Ursachen aufgrund von oft sehr umfangreichen
Untersuchungen bringt meistens keine Beruhigung, sondern gibt Anlass
zur Sorge, letztlich an einer unbekannten und daher nicht behandelbaren
Krankheit zu leiden.
Panikpatienten glauben oft aufgrund der Intensität ihres Erlebens, dass
die Mitmenschen ihre Panikattacken genau wahrnehmen können. Tatsächlich
jedoch erkennen Außenstehende meist gar nicht, dass die Betroffenen
eben eine Panikattacke erleben. Selbst Fachleute haben oft
Schwierigkeiten, bei ihren Patienten eine Panikattacke zu erkennen.
Panikpatienten zittern und beben nur innerlich, und Herzrasen kann man
ohnehin nicht sehen. Die Betroffenen wirken nach außen hin oft nur
etwas blass, manchmal mit ein paar Schweißtropfen auf der Stirn.
Dramatisch wirkt dagegen eine Hyperventilation, das Ringen um Luft, der
angstvolle Griff zum Herzen wie bei einem Herzinfarkt und das
gelegentliche Sicht-Anklammern an den Partner aus Angst umzufallen. Die
relative Unauffälligkeit bewirkt, dass Panikpatienten oft den Eindruck
haben, ihre Partner stünden den Attacken verständnislos und wenig
einfühlsam gegenüber.
Panikpatienten nehmen ihre körperlichen Symptome stärker wahr als sie
tatsächlich sind, wie ein Vergleich zwischen Selbstdarstellung und
physiologischen Messungen mittels Langzeit-EKG (tragbare Messgeräte)
zeigt. Während bei 70% aller Anfälle Herzklopfen oder Herzrasen
berichtet wird, ergeben sich bei den Messungen nur bei einigen
Panikattacken leicht erhöhte Herzfrequenzen.
In der bisher umfangreichsten Studie ergab sich ein durchschnittlicher
Herzfrequenzanstieg von 11 Schlägen pro Minute bei spontanen und 8
Schlägen bei situativen Panikattacken. Die Betroffenen stellten ihre
Panikattacken später als häufiger und stärker ausgeprägt dar, als sie
diese unmittelbar nach dem Auftreten in einem Angsttagebuch vermerkt
hatten. Eine deutliche Erhöhung des Herzschlags war nur bei situativen
Panikattacken gegeben, und zwar schon 15 Minuten vor Beginn der
Attacken.
Noch immer wird gegenwärtig nach Ausschluss organischer Ursachen nicht
sofort die richtige Diagnose gestellt, sondern - wie früher üblich -
eine der folgenden Diagnosen: vegetative Dystonie, psychovegetatives
Syndrom, Neurasthenie, nervöses Erschöpfungssyndrom,
Hyperventilationssyndrom, psychomotorischer Erregungszustand,
funktionelles kardiovaskuläres Syndrom, funktionelle Herzbeschwerden.
Frauen werden oft als "hysterisch" und Männer als "hypochondrisch"
abqualifiziert.
Die richtige Diagnose gibt vielen Patienten das beruhigende Gefühl,
dass ihre Störung einen Namen hat. Nach einer langen Zeit der
Ungewissheit weiß man endlich, worunter man leidet. Im negativen Fall
kann dies dazu führen, dass man sich mit seiner Identität als
Panikpatient zufrieden gibt und im Laufe der Zeit verschiedene
Psychotherapien wohl beginnt, bald jedoch ergebnislos abbricht. Dies
ist insbesondere dann der Fall, wenn Psychotherapeuten nicht auf die
Paniksymptomatik an sich eingehen.
Wenn von den Ärzten die richtige Diagnose nicht gestellt und die
angemessene Behandlung nicht eingeleitet wird, bleiben Panikpatienten
oft über Jahre stark verunsichert. Beruhigungsmittel dämpfen zwar
zeitweise die Erwartungsängste, lösen jedoch nicht das Problem der
Panikstörung und führen oft zur Medikamentenabhängigkeit.
Es gibt keine eindeutigen Laborbefunde zur Diagnostik einer
Panikstörung. Bestimmte Panikpatienten reagieren jedoch bei
verschiedenen Panikprovokationsmethoden (Natriumlaktat-Infusionen,
Kohlendioxidinhalationen u.a.) häufiger mit Panikattacken als Menschen
mit anderen Angststörungen oder gesunde Kontrollpersonen.
Drei Beispiele sollen die Entwicklung einer Panikstörung veranschaulichen:
Ein
47jähriger Manager mit hohem Blutdruck und verschiedenen Risikofaktoren
(Rauchen, Übergewicht, ungesunde Ernährung, übermäßiger Stress), dessen
Vater im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben ist,
bekommt plötzlich am Abend im Bett vor dem Einschlafen eine
Panikattacke. Nach einer ergebnislosen organischen Durchuntersuchung
wird dem Betroffenen bewusst, dass er sich fürchtet, aufgrund eines
ähnlichen Lebensstils wie sein Freund ebenfalls bald sterben zu müssen,
noch dazu, wo er weiß, dass sein Vater nur einige Jahre älter wurde,
als er selbst jetzt ist. Der Patient erinnert sich, dass er kurz vor
Beginn der Panikattacke an den unerwarteten Herzinfarkt-Tod seines
gleichaltrigen Freundes vor drei Monaten gedacht hatte. Der früher sehr
sportliche Patient beginnt seine diesbezüglichen Aktivitäten (Tennis,
ausgedehnte Rad- und Schitouren, oft auch allein) aus Angst vor
Überforderung einzuschränken und entwickelt eine hypochondrische Form
der Körperbeobachtung ("Wie schnell geht der Puls?", "Ist der Druck auf
der Brust und das Kribbeln im linken Arm ein Anzeichen für einen
bevorstehenden Herzinfarkt?"). Er beschäftigt sich vermehrt mit den
Folgen seines möglichen Todes ("Wer wird meine Position in unserer
Firma einnehmen, wenn niemand so plötzlich darauf vorbereitet ist,
meine Tätigkeit fortzuführen?", "Was wird aus meiner Frau, die ohne
richtige Ausbildung und Berufserfahrung sich nicht selbst erhalten
kann?", "Wie wird sich mein 12jähriger Sohn ohne Vater entwickeln?",
"Wie soll das Haus zu Ende gebaut werden und der Schuldenstand
abgezahlt werden?"). Er stellt den gelegentlich übermäßigen
Alkoholkonsum ein und reduziert den ständig erhöhten Kaffeekonsum, weil
zwei dadurch ausgelöste Panikattacken im Laufe der nächsten Monate
seine Todesängste nur verstärken, ist dadurch aber mit leichten
Entzugssymptomen konfrontiert, die ihn erst wieder beunruhigen. Vor
allem entwickelt er abends eine bisher nie gekannte Schlafstörung, so
dass das Schlafdefizit seine körperliche und psychische Befindlichkeit
weiter verschlechtert. Sein Hausarzt diagnostiziert eine
Erschöpfungsdepression und verordnet ein Antidepressivum, und zwar
einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der auch geeignet
erscheint, seine Panikattacken zu beseitigen. Durch die sensible
Reaktion auf die Nebenwirkungen in den ersten zwei Wochen nach der
Einnahme (möglicherweise anfangs zu hohe Dosierung des Medikaments)
werden die körperbezogenen Ängste des Patienten jedoch nur verstärkt,
so dass er bei fortgesetzter Einnahme, zu der ihn sein Arzt ermuntern
kann, auf die Suche nach zusätzlichen Therapiemaßnahmen geht. Wegen
seiner zunehmenden körperlichen Verspannungen erfolgt zuerst eine
Überweisung an einen Masseur und anschließend auch zu einer
Verhaltenstherapie. Hier wird ein weiterer möglicher Auslöser für die
Panikattacken eruiert. Der Patient hatte begonnen, aus Angst vor den
Panikattacken die seit längerem verordneten Beta-Blocker eigenständig
zu erhöhen und dadurch einen für ihn ungewöhnlich niedrigen Blutdruck
entwickelt, der möglicherweise die plötzlich erhöhte Neigung zu
Panikattacken begünstigt hat.
Eine
Frau mit drei kleinen Kindern bekommt die erste Panikattacke kurz
nachdem ihre Mutter sowie ihre beste Freundin, die zwei kleine Kinder
hat, völlig überraschend die Information einer schweren Krebserkrankung
mit Metastasenbildung erhalten hatten. Die Angst, ebenfalls an Krebs zu
erkranken, war der Patientin durchaus bewusst, sie konnte anfangs
jedoch nicht erkennen, dass die erste Panikattacke als "Angst aus
heiterem Himmel" damit zu tun haben sollte, weil diese schließlich
nicht in einem Moment der Sorge, sondern zu einem Zeitpunkt des
Wohlbefindens auftrat, nämlich während eines Festes. Sie dürfte wohl
unbewusst gedacht haben: "So etwas werde ich vielleicht nicht mehr
erleben können." Die Angst vor einer neuerlichen Panikattacke mit
Todesfolge steht plötzlich zumindest kurzfristig stärker im Mittelpunkt
als die Angst vor einer tödlichen Krebserkrankung.
Ein
Arbeiter hat eine längere beruflich bedingte Stressphase hinter sich.
Erfreut über die kommenden Tage der Entspannung legt er sich am Abend
in sein Bett und bekommt nach einigen Minuten eine derart massive
Panikattacke, dass er aus dem Bett aufspringt und in der Wohnung nervös
umhergeht. Da die Symptomatik nach einigen Minuten nicht abklingt, ruft
seine Gattin den Notarzt. Daraufhin beruhigt sich der Betroffene
relativ rasch. Der herbeigeeilte Notarzt äußert den Verdacht auf eine
Panikattacke, da organisch nichts Außergewöhnliches festzustellen ist,
und verschreibt ein Beruhigungsmittel. Zwei Tage später setzt sich der
Mann am Nachmittag im Wohnzimmer in ein Fauteuil und möchte fernsehen.
Plötzlich wird er neuerlich von einer heftigen Panikattacke überrascht.
Diesmal bleibt er nach Abklingen der Panikattacke beunruhigt, geht zum
Hausarzt und lässt sich von ihm zur stationären Durchuntersuchung in
ein Krankenhaus einweisen
Auslöser der ersten Panikattacke
Als Hintergrund, als Boden für die erste Panikattacke, gilt ein
allgemein erhöhtes Stressniveau. Die erste Panikattacke tritt meistens
in der Zeit einer erhöhten Stressbelastung auf (körperlich, psychisch,
geistig, sozial, familiär, beruflich, finanziell). Vor der
Auslösesituation der ersten Panikattacke finden sich oft Überlastungen
oder chronische Konflikte (z.B. in der Partnerschaft oder am
Arbeitsplatz).
Die erste Panikattacke entsteht gewöhnlich im Rahmen einer Kombination von zwei Arten von Stressfaktoren:
1. Psychophysiologische (körperliche) Belastung:
niedriger Blutdruck, Blutdruckabfall, Allergie, Genesungsphase nach
einer Krankheit (z.B. plötzliches Aufstehen nach einer Grippe),
prämenstruelle Phase, Schwangerschaft, Geburt, zuviel Kaffee, Alkohol
oder Drogen, körperliche Aktivierung nach längerer Inaktivität usw.
2. Psychosoziale Belastung:
völlig unerwarteter Todesfall oder schwere Erkrankung eines Angehörigen
(oft Herzinfarkt oder Krebs), akute familiäre oder berufliche
Konflikte, Trennungserlebnisse, Kündigung usw.Panikattacken lassen sich
durch das Stressmodell erklären. In Phasen eines allgemein hohen
Anspannungsniveaus kann schon eine alltägliche Stress-Situation (z.B.
eine kleine Verletzung) zum Auslöser für eine Panikattacke werden.
Panikattacken sind zu verstehen als besonders dramatisch ablaufende
Alarmreaktionen auf Stress oder auf eine Häufung von Stressoren. Im
Laufe der Zeit verselbständigt sich dieses Angsterleben aufgrund von
kognitiven Prozessen als permanente Angst vor einem Panikanfall
(Erwartungsangst), was die allgemeine Anspannung erhöht. Die
Unfähigkeit, sich die Symptome erklären zu können (obwohl die
psychosozialen Belastungen durchwegs als solche wahrgenommen werden),
verstärkt die Ängste.
Bei über 90% der
Betroffenen beginnt die Panikstörung mit einer Panikattacke an einem
öffentlichen Ort oder außerhalb von zu Hause bei einer bislang ganz
normalen Betätigung. Der entsprechende Ort (z.B. Geschäft, Lokal, Kino,
Arbeitsstelle, Wartesaal, Bus) wird fluchtartig verlassen und zukünftig
angstvoll gemieden. Die erste Panikattacke beginnt häufig mit einem
kollapsähnlichen Zustand bei geschwächter körperlicher Kondition und
gleichzeitig gegebenem psychosozialen Stress, dem eine massive
Kreislaufankurbelung zur Verhinderung einer Ohnmacht folgt.
Nach der Münchner Verlaufsstudie wurden bei ca. 80% der Betroffenen vor
der ersten Panikattacke schwerwiegende Lebensereignisse festgestellt,
oft sogar mehr als eine Belastung. Zumeist handelte es sich um Tod oder
plötzliche, schwere Erkrankung von nahen Angehörigen oder Freunden,
Verlust durch Scheidung oder Trennung, Erkrankung oder akute Gefahr der
Betroffenen, Schwangerschaft oder Geburt.
Nach einer englischen Untersuchung an 1000 Agoraphobikerinnen entstand
die erste Panikattacke bei 32% nach einem schwerwiegenden Ereignis
(Trennung vom Partner, Arbeitsplatzverlust usw.), bei 27% nach dem Tod
oder einer schweren Erkrankung eines Angehörigen oder Freundes, 6% der
Patientinnen waren Zeugen des Unglücks anderer. Eine weitere englische
Studie ergab, dass Panikpatienten im Jahr vor ihrer ersten Panikattacke
zweimal häufiger von widrigen und unglücklichen Lebensumständen
betroffen waren als gesunde Personen. Dazu zählten eigene Krankheit,
Unfall und/oder Operation, Trennung vom Partner und finanzielle
Schwierigkeiten.
Panikpatienten haben nicht mehr Stress als die Normalbevölkerung zu
bewältigen, sie bewerten die Belastungen jedoch viel negativer, weil
sie aufgrund ihres größeren Sicherheitsbedürfnisses mit möglicher
Bedrohung und Unsicherheit nicht gut umgehen können, was oft
lebensgeschichtlich verständlich ist (z.B. ängstliche Mutter,
Herzkrankheiten, Asthma, Schlaganfall, Krebs, unerwartete Todesfälle in
der Familie oder Bekanntschaft). Am belastendsten ist jener Stress, den
man gerne kontrollieren möchte, jedoch bei noch so viel Aufwand nicht
kontrollieren kann. Als Folge davon entwickelt sich eine "erlernte
Hilflosigkeit", die zu Resignation, depressiver Erschöpfung und
vermehrten Erwartungsängsten führt.
Auslösefaktoren für die erste Panikattacke
(auch für spätere Panikanfälle) können zahlreiche körperliche,
ernährungsbedingte, sozioökonomische, ökologische, soziale, familiäre
und psychische Stressoren sein:
- Tod eines Angehörigen oder Bekannten.
- Andere Verlustereignisse: Trennung vom Partner, Auszug der Kinder, Umzug.
- Krankheitsängste:
Krankheiten in der Familie, Verwandtschaft oder Bekanntschaft
(Herzinfarkt, Asthma, Krebs), eigene Erkrankung, bevorstehende
Operation.
- Massive familiäre Belastungen (durch Eltern, Partner, Kinder), Trennungsängste.
- Unverarbeitete Lebensereignisse: Gewalt, Missbrauch, Unfall, Scheidung der Eltern.
- Heftige Emotionen: Erregtheit, Ärger, Streit, Unterdrückung von Aggressionen.
- Massive
Zukunftsängste oder berufliche/wirtschaftliche Sorgen: drückende
finanzielle Sorgen, Unsicherheit des Arbeitsplatzes,
Arbeitsplatzverlust oder -wechsel.
- Stellvertretende
Erfahrungen: Lesen von Artikeln, die medizinische Symptome, Krankheiten
oder Katastrophen beschreiben, Miterleben von Schicksalsschlägen oder
Symptomen bei anderen.
- Ungesunde,
stressreiche Lebensführung ganz allgemein (übermäßiger Zeitdruck,
berufliche Überlastung usw.), die zu Erschöpfung führen kann.
- Allergien:
die gesteigerte Abwehr von verschiedenen auf den Körper einwirkenden
Substanzen führt zu Entzündungen und Gefäßerweiterungen (bis zum
Kollaps).
- Hormonelle Störungen: Schilddrüsenüberfunktion, Hormonstörungen bei Frauen.
- Bestimmte Krankheiten: Lebererkrankung, Virusinfektion, Mangel an Vitamin B1, Störungen im Kalziumhaushalt.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Blutdrucksenkung, allergische Reaktion u.a.
- Alkohol, Drogen, Koffein und Nikotin: übermäßiger Konsum bzw. Entzug.
- Unterzuckerung
(Hypoglykämie): Zuckerabfall mit panikartigem Zustand, z.B. bei
Abmagerungskuren, zuviel Alkoholkonsum, schwerer körperlicher Arbeit,
bei Zuckerkranken wegen eines falsch eingestellten insulinpflichtigen
Diabetes.
- Kreislaufschwankungen bzw.
Kreislaufstörungen durch zuviel Koffein oder Nikotin, Kater, Alkohol-
oder Medikamentenentzug, Zuckerabfall, Sportübungen, Müdigkeit oder
Erschöpfung, Hitze bzw. schwüles Wetter, Krankheit, allergische
Reaktionen, prämenstruelle Angespanntheit, Schwangerschaft.
- Generell
niedriger Blutdruck (z.B. 95/65), der in Schrecksituationen noch weiter
abfällt (Kollapsneigung), so dass Herzrasen blutdruckerhöhend wirkt, um
eine weitere Sauerstoffunterversorgung und daraus folgende Ohnmacht zu
verhindern.
Langes Stehen ohne Bewegung (orthostatische Hypotonie):
das Blut geht in die Beine, so dass im Kopf zuwenig Blut und Sauerstoff
vorhanden sind. - Hemmung
der Fluchtreaktion in einer bestimmten Situation (Bus, Geschäft usw.)
mit der Folge einer sog. vagovasalen Ohnmachtsneigung. Man kann bzw.
will eine belastende Situation nicht verlassen, obwohl der Körper für
eine Fluchtreaktion aktiviert ist. Es kommt dabei zu einer vermehrten
Durchblutung der Muskulatur (spürbar als Muskelverspannung) und mangels
Bewegung (oft Erstarrung im Schreck) zu einem verminderten
Blutrückfluss zum Herzen, so dass weniger Blut in den Kreislauf gepumpt
werden kann, was sich bereits nach Sekunden als Schwindel und später
als Ohnmachtsneigung bemerkbar macht.
- Hyperventilation:
in Belastungssituationen erfolgt oft ein zu rasches und zu flaches
Atmen mit angstmachenden körperlichen Folgezuständen. Zwischen den
Diagnosen Agoraphobie/Panikstörung und Hyperventilationssyndrom besteht
eine Überlappung von etwa 60%.
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Epidemiologie, Verlauf und Folgen der Panikstörung
In der BRD haben lebenszeitbezogen 2,4%, innerhalb der letzten 6 Monate
1,1% und innerhalb des letzten Monats 1,0% der Bevölkerung eine
Panikstörung. Gelegentliche Panikattacken treten viel häufiger auf
(z.B. in Wien lebenszeitlich bei 17,7%).
Die groß angelegte amerikanische NCS-Studie erbrachte folgende Erkenntnisse:
- Gelegentliche
Panikattacken treten lebenzeitbezogen bei 15,6% der Befragten auf, 3,8%
erleben eine Panikattacke innerhalb des letzten Monats.
- Eine
Panikstörung tritt lebenszeitbezogen bei 3,5%, innerhalb der letzten 12
Monate bei 2,5% und innerhalb des letzten Monates bei 1,5% der
Befragten auf.
- 1,5% weisen
lebenszeitlich und 0,7% innerhalb des letzten Monats eine Kombination
von Panikstörung und Agoraphobie auf. Dies stellt einen Beleg dafür
dar, dass ein beachtlicher Teil der Panikpatienten keine Agoraphobie
entwickelt. Neben den 1,5% der Bevölkerung mit einer Kombination von
Panikstörung und Agoraphobie gibt es lebenszeitlich 4,2% Personen in
der amerikanischen Bevölkerung, die eine Agoraphobie ohne Panikstörung
aufweisen (ein Teil davon hat jedoch laut Nachuntersuchung durch
Experten eher eine spezifische Phobie als eine Agoraphobie). Diese
epidemiologischen Daten bestätigen das ICD-10-Konzept der Agoraphobie
als eigenständige Diagnose, während im amerikanischen Diagnoseschema
der Panikstörung eine größere nosologische Bedeutung zukommt als der
Agoraphobie.
- Eine
Panikattacke führt zwar oft zu einer Agoraphobie, kommt aber auch bei
völlig unterschiedlichen psychischen Störungen vor (z.B. bei
affektiven, psychotischen, somatoformen und
Substanzmissbrauchsstörungen).
- Panikstörungen
treten im Laufe des Lebens bei 5,0% der Frauen und 2,0% der Männer auf,
innerhalb der letzten 12 Monate bei 3,8% der Frauen und 1,7% der
Männer, innerhalb des letzten Monats bei 2,0% der Frauen und bei 0,8%
der Männer.
- 50% der Befragten mit
Panikstörung wiesen keine Agoraphobie auf (in klinischen Stichproben
ist die Kombination beider Störungen jedoch viel häufiger gegeben).
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Erste Studien bei Kindern und Jugendlichen zeigen, dass eine
Panikstörung bereits in diesem Alter auftreten kann. Meistens zeigt
sich ein durchschnittlicher Beginn kurz nach der Pubertät. Das
Erscheinungsbild ist dabei der Symptomatik im Erwachsenenalter sehr
ähnlich. Panikstörungen mit und ohne Agoraphobien haben im Vergleich zu
phobischen Störungen und generalisierten Angststörungen einen
durchschnittlich späteren Beginn. Panikstörungen treten meistens
zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr erstmals auf, bei rund 20% bereits
früher, bei 40% erst später.
Das erstmalige Auftreten von Panikattacken nach dem 40. Lebensjahr wird
von verschiedenen Autoren als Zeichen einer zugrundeliegenden
Depression angesehen.
Im Langzeitverlauf von Panikstörungen lassen sich 6 Stadien unterscheiden:
1. Attacken mit unvollständiger Symptomatik,
2. Panikattacken,
3. hypochondrische Klagen,
4. begrenztes phobisches Vermeidungsverhalten,
5. generalisiertes phobisches Vermeidungsverhalten,
6. sekundäre Depression.
15-20% der Panikpatienten wiesen bereits vor der Panikstörung leichte
agoraphobische Tendenzen auf. Eine Agoraphobie beginnt keineswegs immer
mit der ersten Panikattacke. Das Auftreten einer Panikattacke ist keine
notwendige Voraussetzung für eine Agoraphobie. Eine Panikstörung mit
Agoraphobie stellt in der Regel eine schwerwiegendere Beeinträchtigung
dar als eine Panikstörung ohne Agoraphobie, denn sie beginnt früher,
hält länger an und weist mehr psychosoziale Behinderungen auf. Obwohl
bei über 80% der Agoraphobiker zu Beginn der Störung eine Panikattacke
auftrat, sind insgesamt nur 31% der Panikattacken in typisch
agoraphobischen Situationen zu finden.
Nach einer Untersuchung an 195 Panikpatienten mit und ohne Agoraphobie ergab folgenden Befund:
"Weder
die Häufigkeit der Panikattacken (in den letzten drei Wochen) noch die
Intensität der Paniksymptome waren signifikante Prädiktoren für den
Schweregrad einer Agoraphobie. Entscheidend war vielmehr, ob die
Patienten in den sogenannten agoraphobischen Situationen einen
Panikanfall mit größerer Wahrscheinlichkeit erwarteten, ob sie sich
durch die Panikattacken stärker beeinträchtigt fühlten und ob sie sich
als generell ängstlicher beschrieben. Die Entwicklung einer Agoraphobie
hängt also nicht primär von der Anzahl und Intensität der Panikattacken
ab. Entscheidend ist neben der dispositionellen Ängstlichkeit vielmehr,
wie diese Anfälle bewertet werden. Dies wird auch durch Untersuchungen
bestätigt, welche die Häufigkeit und Intensität der Panikattacken nicht
retrospektiv, sondern anhand von Tagebuchaufzeichnungen kontinuierlich
erhoben haben ... Die Dissoziation von Panikattacken und Agoraphobie
wird auch durch epidemiologische Studien gestützt, in denen eine
relativ hohe Prozentzahl von Patienten beobachtet wurde, die eine
intensive agoraphobische Vermeidung aufwiesen, ohne dass gleichzeitig
eine Panikstörung vorlag. So beträgt die Einjahresprävalenz einer
Agoraphobie ohne Panikstörung je nach Studie zwischen 2.8 und 5.8% ...
Dies widerspricht allerdings nicht der häufig gemachten klinischen
Beobachtung, dass fast 80% aller Agoraphobiker bereits früher eine oder
mehrere Panikattacken erlebt haben, welche dann möglicherweise die
Entwicklung einer Agoraphobie ausgelöst haben ... Die Aufrechterhaltung
und der Schwergrad der agoraphobischen Vermeidung ist dagegen
weitgehend unabhängig von der Häufigkeit und Schwere der aktuellen
Panikattacken."
Die Folgen von Panikattacken
hängen nach einer deutschen Studie stark vom Alter der Betroffenen zum
Zeitpunkt des ersten Auftretens einer Panikattacke ab:
- Panikattacken
mit erstmaligem Auftreten vor dem 25. Lebensjahr führen oft zu einer
anderen Angststörung (vor allem zu einer Agoraphobie oder einer
spezifischen Phobie), seltener zu sekundärer Depression oder
Substanzmissbrauch.
- Panikattacken mit
erstmaligem Auftreten im höheren Alter führen oft und rasch (innerhalb
eines Jahres) zu sekundärer Depression, Substanzmissbrauch oder
Mehrfacherkrankung bzw. sind Ausdruck einer vorhandenen
Mehrfacherkrankung.
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Nach der Münchner Verlaufsstudie ist der Verlauf der Panikstörung in
der Durchschnittsbevölkerung meistens chronisch, wenn die Störung über
ein Jahr bestanden hat und keine adäquate Behandlung erfolgte. Nach 7
Jahren Beobachtungszeit war bei 51% der Panikpatienten eine
Verschlechterung und Chronifizierung eingetreten, 90% erfüllten noch
immer die diagnostischen Kriterien für eine Panikstörung. Nur 14,3% der
Panikpatienten und 19% der Agoraphobiker erreichten eine
Spontanheilung. Bei unbehandeltem Paniksyndrom entwickelten 71,4% eine
depressive Störung, 50% Alkoholmissbrauch und 28,6%
Medikamentenmissbrauch.
Unbehandelte Patienten mit einer Panikstörung mit Agoraphobie haben
nach Meinung aller Fachleute einen chronischeren Verlauf ihrer Störung
und eine langfristig schlechtere Prognose als Patienten mit depressiven
Störungen. Situationsgebundene Panikattacken (z.B. bei einer Phobie)
zeigen deutlich bessere Heilungschancen als spontan auftretende
Panikattacken. Patienten mit Panikstörungen weisen gleichzeitig oft
auch andere Störungen auf: Agoraphobie, generalisierte Angststörung,
Depression und Dysphorie. Die Mischung von Panikstörung und Agoraphobie
ist besonders häufig (bei rund 50%). Nur 20-30% der Panikstörungen sind
reine Panikstörungen.
Nach der Zusammenfassung des Forschungsstandes ergeben sich folgende
Zahlen zum Langzeitverlauf von Panikpatienten aus
Behandlungseinrichtungen: 6-10 Jahre nach der Behandlung sind ungefähr
30% der Betroffenen symptomfrei, 40-50% gebessert und 20-30% gleich
schlecht oder verschlechtert. In klinischen Behandlungseinrichtungen
finden sich bei Panikpatienten weitere Angststörungen in folgender
Häufigkeit: generalisierte Angststörung bei 25%, soziale Phobie bei
15-30%, spezifische Phobie bei 10-20%, Zwangsstörung bei 8-10%. Eine
Depression kommt bei 50-65% der Personen mit Panikstörung vor. Bei fast
einem Drittel der Personen mit beiden Störungen geht die Depression der
Panikstörung voraus. Bei zwei Dritteln tritt die Depression
gleichzeitig oder nach dem Beginn der Panikstörung auf.
Eine sekundäre Agoraphobie bei Patienten mit Panikstörung weist auf
einen höheren Schweregrad der Panikstörung hin, oft auch
charakterisiert durch einen früheren Beginn der Störung, eine schwerer
ausgeprägte Symptomatik der Panikattacken und eine längere
Gesamterkrankungsdauer. Die Kombination mit einer generalisierten
Angststörung, einer wiederholt auftretenden depressiven Symptomatik,
einer schweren psychosozialen Beeinträchtigung oder einer
Persönlichkeitsstörung stellt einen prognostisch ungünstigen Verlauf
dar.
Verschiedene Studien, die allerdings nicht repräsentativ sind und zudem
einige methodische Mängel aufweisen, zeigen eine familiäre Häufung der
Panikstörung, wobei aufgrund der Datenlage allein nicht entschieden
werden kann, ob dies für genetische Ursachen oder Lernfaktoren spricht.
Erste Untersuchungen weisen darauf hin, dass Panikstörungen gelernt
werden können in einem familiären Milieu, wo derartige Störungen
gehäuft auftreten. Studien, in denen Kinder von Patienten mit
Angststörungen untersucht wurden, belegen übereinstimmend, dass diese
Kinder ebenfalls Angststörungen aufweisen. Umgekehrt zeigen auch
Studien, in denen ausgehend von Kindern mit Angststörungen die Eltern
untersucht wurden, einen Zusammenhang von kindlichen und elterlichen
Angststörungen.
Wenn eine Panikstörung nicht bewältigbar erscheint, sind oft folgende
Gegebenheiten anzutreffen, die hier im Überblick zusammengefasst werden
sollen:
Chronische Erwartungsängste ("Angst vor der Angst").
Die Angst vor den Paniksymptomen führt zu Erwartungsängsten vor einem
neuerlichen Anfall, auch wenn die Patienten aufgrund von körperlichen
Durchuntersuchungen wissen, dass sie organisch gesund sind und keine
schwere Erkrankung (Herzinfarkt, Schlaganfall, Gehirntumor,
Kreislaufzusammenbruch mit Ohnmacht) zu befürchten brauchen.
Ständige medizinische Durchuntersuchungen und Überbeanspruchung des medizinischen
Versorgungssystems.
Panikpatienten nehmen besonders in der Frühphase der Erkrankung
verstärkt ärztliche Hilfe in Anspruch und lassen sich oft wiederholt
bei verschiedenen Fachärzten bzw. stationären Aufenthalten
durchuntersuchen. Die Betroffenen wirken durch die Symptomatik bzw.
durch ihr ängstliches Verhalten auf Ärzte derart bedrängend, dass
ständig aufwendigere und kostspieligere Untersuchungen sowie unnötige
Krankenhausaufenthalte erfolgen, die nur kurzfristig beruhigend wirken.
Die Ängste werden oft verstärkt durch grenzwertige Befunde ("am Rande
der Norm", "leicht abnorm", "nicht sicher auszuschließen",
"Verlaufskontrolle empfohlen"). Bei langem Suchen findet man häufig
unbedeutende Unregelmäßigkeiten. Eine gründliche Durchuntersuchung zum
Ausschluss organischer Ursachen ist jedoch vor Therapiebeginn dringend
anzuraten. Panikpatienten weisen im Vergleich zu anderen Angstpatienten
die höchste Inanspruchnahme stationärer oder ambulanter medizinischer
Einrichtungen auf. Sie beanspruchen 3 mal so häufig unterschiedlichste
somatisch-medizinische Einrichtungen wie andere Personen.
Lange Krankenstandszeiten mit großem individuellen Leid und hohen volkswirtschaftlichen Kosten.
Die Unberechenbarkeit bezüglich des Wiederauftretens der gefürchteten
Panikattacken führt mangels effizienter Behandlungsmethoden oft zu
unnötig langen Krankenstandszeiten, weil sich die Betroffenen noch
nicht genug vorbereitet fühlen, einen neuerlichen Anfall zu bewältigen.
Im Extremfall kann eine Berufsunfähigkeit eintreten.
Depressive Erschöpfung und Resignation als verständliche Folge der nicht kontrollierbar erscheinenden Panikattacken.
Missbrauch von Alkohol oder Benzodiazepintranquilizern, um die Erwartungsängste besser ertragen zu können.
Angst vor dem Alleinsein.
Im Extremfall können die Betroffenen nicht mehr allein sein, weil sie
sich davor fürchten, den Symptomen hilflos ausgeliefert zu sein.
Einschränkung der Bewegungsfreiheit
im Sinne einer Agoraphobie. Menschen mit Panikstörung neigen im Laufe
der Zeit vielfach dazu, verschiedene Situationen zu meiden, die als
Auslöser für Panikattacken geeignet erscheinen.
Abhängigkeit von einer Vielfalt von Helfern.
Angstreduzierend wirkt das Wissen um die Nähe oder sofortige
Erreichbarkeit von Helfern (Ärzte, Krankenhäuser, Psychotherapeuten,
Verwandte, Bekannte). Oft sind schon Gespräche beruhigend, ohne dass
neuerliche Untersuchungen nötig sind. Vorher selbstbewusste und
lebenstüchtige Menschen verhalten sich plötzlich wie furchtsame kleine
Kinder.
Psychosoziale Beeinträchtigungen.
Menschen mit einer Panikstörung weisen im Vergleich zu anderen
Angstpatienten die meisten psychosozialen Beeinträchtigungen auf. Diese
sind um so größer, je depressiver die Betroffenen gleichzeitig sind.
Studien haben ergeben, dass Panikpatienten mit zusätzlicher depressiver
Symptomatik ausgeprägtere Angstsymptome, eine ungünstigere
Krankheitsentwicklung und größere psychosoziale Beeinträchtigungen
erleben sowie eine schlechtere Behandlungsprognose und chronischere
depressive Symptome aufweisen. Die sekundäre Entwicklung depressiver
Episoden ist nach verschiedenen Untersuchungen hauptverantwortlich für
die Entwicklung massiverer psychosozialer Integrationsprobleme. Die
Kombination von Pharmakotherapie (Verabreichung eines selektiven
Serotonin-Wiederaufnahmehemmers) und anfänglich symptombezogener
Psychotherapie (Verhaltenstherapie) kann auch in diesen Fällen zur
Heilung führen.
Übermäßige Schonhaltung aus Angst,
die Symptome nicht zu provozieren, und ständige hypochondrische
Selbstbeobachtung in der Hoffnung, die gefürchteten Symptome irgendwie
verhindern zu können. Panikpatienten haben das Vertrauen in ihren
Körper verloren und befürchteten Herzinfarkt, Ohnmacht oder
Verrücktwerden. Sie zeigen seit dem ersten Anfall ein erhöhtes
Sicherheitsbedürfnis bei allen Unternehmungen und möchten das kleinste
Risiko eines Panikanfalls ausschalten. Aus falscher Schonhaltung
schränken die Betroffenen, die früher oft sehr sportlich waren,
körperliche Aktivitäten (Sport, Treppensteigen, anstrengende manuelle
Tätigkeiten usw.) ein. Durch die fehlende Kondition werden erst recht
jene Symptome begünstigt, die man vermeiden möchte.
Unterscheidung zwischen Panikstörung und anderen Angststörungen
Zwischen Panikattacken und anderen Angstformen bestehen keine
qualitativen Unterschiede, wohl aber quantitative Besonderheiten.
Charakteristisch für Panikattacken sind:
- das
stärkere Vorherrschen somatischer Symptome (dieselben vegetativen
Symptome sind bei anderen Angststörungen meistens nicht so ausgeprägt),
- der akute Zeitverlauf der Symptomatik (eine generalisierte Angststörung beginnt dagegen meist langsam),
- die
Unmittelbarkeit der befürchteten Gefahren bzw. Folgen des Angstanfalls
(andere Angststörungen werden wohl als sehr lästig und lebenseinengend,
nicht jedoch als lebensbedrohlich erlebt),
- die
Unvorhersehbarkeit der Angstanfälle (im Gegensatz zu den
situationsbezogenen und daher vorhersehbaren Panikattacken bei sozialer
oder spezifischer Phobie),
- die zentrale Bedeutung interner angstauslösender Reize (Phobien werden dagegen durch spezifische äußere Auslöser bewirkt).
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Panikstörung als Spektrum-Störung
Das Panik-Agoraphobie-Spektrum-Modell stellt eine neue Sichtweise
dieses Bereichs dar, die der klinischen Realität eher gerecht wird als
die Kategorisierung nach den scheinbar klar voneinander abgrenzbaren
Syndromen der psychiatrischen Diagnoseschemata. Die amerikanischen und
italienischen Erforscher dieses klinischen Phänomens bringen ein
typisches Beispiel für eine Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung.
Ein junger Mann mit 20 Jahren erlebt ein paar Panikattacken mit
begrenzter Symptomatik. Er begibt sich nicht in Behandlung, die
erlebten Symptome verändern jedoch sein Leben auf eine ganz bestimmte
Weise. Vor der ersten Panikattacke war er energisch, interessiert an
neuen Erfahrungen und in sozialer Hinsicht recht gesellig. Nach den
ersten Panikattacken wird er zunehmend ängstlich, passiv, von anderen
abhängig, sozial zurückgezogen und besorgt um seine Gesundheit. Im
Laufe der Zeit werden diese Tendenzen zu stabilen
Persönlichkeitsmerkmalen. Mit 40 Jahren sucht er einen Arzt auf wegen
einer depressiven Episode, die Paniksymptome hat er längst vergessen.
Er macht den Eindruck eines ängstlichen Menschen mit hypochondrischer
Färbung, der von anderen Menschen so abhängig ist, dass er nicht allein
sein kann. Wenn der Arzt nur die Depression behandelt, wird die
Panikattacke vor 20 Jahren als der Hauptgrund für die Angst,
Abhängigkeit, Vermeidungstendenz und Hypochondrie des Patienten
übersehen. Trotz erfolgreicher Behandlung der Depression leidet der
Patient weiterhin unter einer Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung mit
den entsprechenden Beeinträchtigungen, wenn nicht gleichzeitig auch
diese behandelt wird.
Die Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung umfasst bestimmte
Merkmalsbereiche, die wegen ihrer Bedeutsamkeit ausführlich dargestellt
werden sollen.
Paniksymptome
Die DSM-IV-Kriterien zur Diagnose
einer Panikattacke (mindestens 4 von 13 Symptomen) sind aus der Sicht
der klinischen Praxis zu rigide. Zur Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung
zählen auch zahlreiche Angstanfälle mit weniger als 4 Symptomen oder
mit anderen, in den Konsequenzen jedoch ähnlich schwerwiegenden
Symptomen.
Neben den 13 typischen Paniksymptomen müssen folgende atypische
Symptome zur Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung gezählt werden:
- Gefühle der Verwirrtheit und Erstarrtheit,
- Gefühle der räumlichen Desorientierung,
- Empfindung, wie auf samtenem Boden oder auf Schaumgummi zu gehen, oder wie wenn die Beine geleeartig weich wären,
- Gefühl der mangelnden Stabilität, des ungeschickten Gehens oder wie wenn die Beine steif wären,
- Empfindung des Harndrangs und des "In-die Hose-Machens",
- Entwicklung depressiver Symptome,
- Gefühl des Kontrollverlusts,
- Kopfschmerzen,
- Überempfindlichkeit gegenüber Hitze, verbrauchter oder feuchter Luft,
- Überempfindlichkeit gegenüber Parfüm oder anderen Düften,
- Überempfindlichkeit gegenüber Licht,
- Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen,
- Unbehagen bei verschwommener Sicht (z.B. Nebel),
- Unbehagen in der Dunkelheit,
- Schwächezustand (Asthenie),
- Gefühl, als ob im Kopf oder im Körper etwas gebrochen wäre,
- Gefühl, als ob man blind oder taub wäre.
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Ängstliche Erwartung
Die Erwartungsangst ("Angst vor der Angst", d.h. die Angst vor den
körperlichen Symptomen) wird oft zur Hauptursache für eine massive
Beeinträchtigung des allgemeinen Funktionsniveaus. Sie kann sich in
zwei Formen äußern:
-
Erwartungsangst hinsichtlich typischer oder atypischer Paniksymptome,
-
ständige generelle Alarmbereitschaft, verbunden mit dem Gefühl der
Unsicherheit, der Unfähigkeit oder der Bedrohung der physischen bzw.
psychischen Integrität.
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Phobische und vermeidende Tendenzen
In der klinischen Praxis hängen Panikstörung und Agoraphobie oft eng
zusammen. Das ständige Vermeidungsverhalten stellt einen
Bewältigungsversuch von Panikattacken und Erwartungsängsten dar.
Hinter einer Klaustrophobie (Vermeidung von geschlossenen Räumen) steht
oft die Überempfindlichkeit gegenüber potentiellen Einschränkungen der
Atmung, inklusive der Einschränkung der Luftwege durch Sitzgurte im
Auto, Kravatten, geschlossene oberste Hemdknöpfe, Schlucken von
Tabletten.
Diese Gegebenheiten passen zu der Theorie von Klein, dass Panikattacken
durch Atemnot und Erstickungsgefühle (erhöhte CO2-Sensitivität)
ausgelöst würden. Bestimmte Angstzustände sind in diesem Sinne eher der
Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung zuzuordnen als einer spezifischen
Phobie. Eine Liftphobie kann im Extremfall damit begründet werden, dass
im Falle des Steckenbleibens des Aufzugs und fehlender Hilfe die Luft
im Aufzug knapp werden könnte.
Einige Sozialphobien zählen ebenfalls zur
Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung. Eine soziale Vermeidungstendenz
wird oft mit der Angst vor dem öffentlichen Auftreten von
Paniksymptomen begründet, was als Verlust des Sozialprestiges
gefürchtet wird ("Was werden sich die anderen denken, wenn sie sehen,
welche Zustände ich plötzlich bekomme?", "Wie komme ich rechtzeitig
davon, damit niemand meine Symptome sieht?").
Krankheitsängste und Hypochondrie hängen oft mit der Fehlinterpretation
körperlicher Symptome als lebensgefährlich zusammen, wie dies bei
Panikattacken typisch ist: Herzrasen als Zeichen eines Herzinfarkts,
Kopfschmerzen als Vorboten eines Hirnschlags oder Kopftumors, leichte
Atemprobleme als Vorzeichen eines Asthma- oder Erstickungsanfalls,
Magenschmerzen als Zeichen von Magenkrebs.
Die Beschäftigung mit medizinischen Themen (Lesen entsprechender Bücher
oder Artikel, Gespräche oder Filme über Krankheiten) verstärkt oft
krankheitsbezogene Ängste. Die Bewältigung dieses Problems wird jedoch
nicht durch ständige Vermeidung, sondern nur durch angemessene
Konfrontation mit den angstmachenden Inhalten gelingen. Die Fülle der
medizinischen Informationen in diesem Buch ist für bestimmte
Angstpatienten nicht beruhigend, sondern verstärkt angstmachend.
Das Vermeiden von Medikamenten kann ebenfalls Ausdruck einer
panikartigen Phobie sein. Verschiedene Panikpatienten reagieren auf
jedes Medikament im wahrsten Sinn des Wortes "allergisch". Jede
angeführte Nebenwirkung des Medikaments auf dem Beipackzettel wird
gefürchtet oder bereits am eigenen Leib erlebt, was die Compliance
(Verhalten entsprechend den ärztlichen Anordnungen) erschwert. Manchmal
besteht gegenüber psychotropen Medikamenten sogar die irrationale Angst
der Persönlichkeitsveränderung und des Verlusts der Selbstkontrolle.
Hinter der Angst vor dem Einschlafen und der damit verbundenen
Verzögerung des Schlafengehens verbirgt sich nicht selten die Angst vor
einer Panikattacke oder sogar die Angst vor dem Tod im Schlaf. In
gleicher Weise wird oft eine Narkose gefürchtet.
Die Furcht vor bestimmten Wetterbedingungen (Gewitter, Stürme usw.)
kann ebenfalls mit erlebten oder gefürchteten panikähnlichen Zuständen
zusammenhängen.
Bedürfnis nach Beruhigung durch andere
Menschen
mit Panikstörung und Agoraphobie verlassen sich aufgrund ihrer
Unsicherheit und Angst gerne auf die Hilfe anderer, weshalb sie rasch
davon abhängig werden. Ärzte und Therapeuten stellen ebenfalls
überschätzte Sicherheitsgarantien dar.
Psychotherapien können deswegen oft nicht beendet werden, weil die vertraute Sicherheit dadurch verloren gehen würde.
Abergläubische
Verhaltensweisen (z.B. bestimmte Gegenstände als Talisman) werden dann
eingesetzt, wenn das Vertrauen in die eigenen Kräfte fehlt.
Empfindlichkeit gegenüber Substanzen verschiedenster Art
Die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Substanzen ist ein
typisches Merkmal bei vielen Panikpatienten. Mehrere Tassen Kaffee,
etwas mehr Alkohol als gewöhnlich, eine geringe Menge bestimmter
Medikamente (z.B. Antidepressiva) oder verschiedene Drogen (z.B.
Ecstasy) können Panikattacken auslösen.
Der Beginn einer Pharmakotherapie mit der Zieldosis ohne
einschleichendes Vorgehen sowie ein relativ rasches Absetzen von
Medikamenten wie Tranquilizern und Antidepressiva führt bei vielen
Panikpatienten zu mehr Problemen als bei anderen Menschen.
Viele Menschen mit einer Panikstörung neigen zu Panikattacken, wenn die
üblichen Richtlinien zur Dosisreduktion von Tranquilizern angewandt
werden, so dass vielfach ein langsameres Absetzen angebracht erscheint.
Im Falle einer Alkoholentzugsbehandlung treten bei Panikpatienten
ebenfalls eher Panikattacken auf als bei anderen Personen.
Erhöhte Stressempfindlichkeit
Unter
Laborbedingungen reagieren Panikpatienten nicht stärker auf Stress als
andere Versuchspersonen, verschiedene Studien haben jedoch ergeben,
dass Panikpatienten für stressende Lebensereignisse besonders
empfindlich sind. Ein geringer Alltagsstress kann bei einem
Schlafdefizit, Überarbeitung u.a. zu Panikattacken führen.
Die erhöhte Stressempfindlichkeit kommt auch in paradoxer Weise zum
Ausdruck, und zwar durch das Auftreten von Panikattacken in der Phase
der Entspannung nach einem stressreichen Ereignis (z.B. Herzrasen nach
einer anstrengenden Autofahrt, Verlassen eines überfüllten Kaufhauses,
Ausrasten nach einer sportlichen Betätigung, Hinlegen nach vollbrachter
Arbeit).
Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Trennungs- oder Verlusterfahrungen
Im klinischen Alltag fällt auf, dass viele Panikpatienten gegenüber
Trennungs- und Verlusterfahrungen empfindlicher reagieren als andere
Menschen, unabhängig davon, ob bestimmte traumatisierende
Verlusterfahrungen in der Kindheit gegeben waren.
Trennungsängste als Ausdruck der Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung
können sich in der Kindheit als Schulphobie äußern oder als
Unmöglichkeit, allein im Zimmer zu schlafen, insbesondere wenn kein
Licht aufgedreht ist, im Erwachsenenalter als Unfähigkeit, wegen einer
Arbeit das schützende Haus zu verlassen oder allein zu verreisen aus
beruflichen oder privaten Gründen.
Menschen mit erhöhter Sensibilität für Verluste reagieren oft bereits
bei der Gefahr von Verlusten mit panikähnlichen Symptomen (z.B. nach
einem heftigen Ehestreit, beim Gedanken an Trennung aus eigener
Initiative oder bei der Befürchtung, der Partner könnte die Beziehung
beenden, beim Gedanken an den möglichen Tod bestimmter Angehöriger).
Partner werden nach dem Prinzip absoluter Verlässlichkeit ausgesucht.
Partnerschaften sind daher entsprechend eng, um jedes Gefühl von
Alleinsein zu vermeiden. Jede Bedrohung dieser symbiotischen Beziehung
bewirkt panikartige Ängste.
Gegenwärtig wird das Panik-Agoraphobie-Spektrum-Modell mit Hilfe eines
speziellen Fragebogens empirisch zu überprüfen versucht. Es wurde
bereits deutlich, dass die Komorbidität (gleichzeitiges Auftreten) mit
einer Depression das Ausmaß einer Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung
verschärft.
Die Berücksichtigung der Erkenntnisse zur
Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung ermöglicht eine effizientere
Pharmako- und Psychotherapie. Für die akut psychiatrische Behandlung
dieser Patienten bedeutet dies in der Regel, dass im stationären
Setting zuerst eine vorhandene Depression zu behandeln ist und in
weiterer Folge eine entsprechende Angstbehandlung mit Medikamenten
und/oder Psychotherapie einzuleiten ist.
Das Modell der Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung kehrt das
traditionelle Denken der europäischen Psychiatrie um. Es wird zwar eine
dem aktuellen Störungsbild zugrunde liegende Basis angenommen, jedoch
nicht im Sinne einer prämorbiden Persönlichkeitsstörung, sondern als
konzentrierte Erfahrung bestimmter Symptome in der Kindheit oder
Jugend, die die Persönlichkeit so geformt haben, wie sie bei
Erwachsenen mit einer Panik-Agoraphobie-Spektrum-Störung in jeder
Arztpraxis feststellbar ist.
Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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